Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

312 IV. Gynäkologie und Pädfatrik. 
tern am Muttermunde, 2 Mal wegen frühzeitiger Lösung der 
selben in Fundo Uten die Anlegung der Zange und ein Mal, 
als Folge von Krampfwellen bei ausgebrochener Eclampsia, den 
Gebrauch des Castoreums. Merkwürdiger Weise begleitete in 
letztem Falle den Blasensprung ein convulsivischer Anfall, ein 
zweiter bewirkte das plötzliche Herausstossen der todten früh 
zeitigen Frucht, und beim Abgänge der Nachgeburt erschien 
ein dritter. Die heftigen, mit Sopor verbundenen 7 Anfälle 
von Eclampsie wurden durch Castoreum gemildert. Die Puer 
peralfieber während der Geburt nahmen alle später ein tödt- 
liches Ende. Besonders characteristisch war in einem Falle: 
hippokratisches Gesicht, gänzlich veränderteStimme, kaum zähl 
barer, kleiner, schwacher Puls, grösste Schmerzhaftigkeit des 
Unterleibes und gänzliche Wehenlosigkeit; die künstlich entbun 
dene junge Zweitgebärende starb 3 Tage nach der Geburt. — Unter 
den vielen Wendungen kam eine Selbst Wendung auf die 
Füsse vor. Nach mehrstündigen Versuchen, bei vorliegender Schul 
ter die Wendung auf den Kopf zu verrichten, und nach beobach 
teten, sehr kräftigen Kindesbewegungen traten endlich die Füsse in 
den engen Beckeneingang. Die nöthig gewordene Extraction 
des Kindes war die schwierigste, da der Beckeneingang bei 
einer Conjugata von 3| Zoll sehr enge und das Kind sehr gross 
war, und sie kostete der Mutter und dem Kinde (dessen klei 
ner Durchmesser 3|, der grössere 3| Zoll maass) das Leben. 
Die Wendung wurde im Ganzen 15 Mal gemacht, theils we 
gen Blutungen, theils wegen vorgefallener pulsirender Nabel 
schnur und theils wegen andern vorgefallenen Theilen. Unter 
den übrigen geburtshülflichen Operationen zeichnen sich merk 
würdige Zangen-Operationen aus. 1) Eine jüdische 
Erstgebärende, welche bereits 3 Tage die schmerzhaftesten 
Wehen gehabt und von 2 jüdischen Wundärzten mit vergebli 
chen Versuchen, den grossen, harten, eingekeilten Kindskopf 
mit der Zange zu entwickeln, gemisshandelt worden, erlag fast 
unter einer heftigen Metritis, hatte hippokratischen Gesicht, eis 
kalte, pulslose Extremitäten, jauchigen Ausfluss aus den ge 
schwollenen, schwärzlichen Genitalien und andere Symptome 
des angehenden Brandes. Der grosse, aber faule und leicht zu- 
sammendrückbare Kindskopf wurde durch 4 kräftige Zangen- 
tractionen bald geboren, aber die Entwickelung der Schultern 
war sehr schwierig. Der Uterus zog sich nicht zusammen und 
die Wöchnerin, die ihren Zustand lobte, verschied nach 6 Stun 
den. In dem Leichname fand man den Uterus ungeheuer aus 
gedehnt, brandig, er zerfiel beim Berühren, war an einer Stelle 
2 Zoll dick und hatte an der innern Fläche viele grosse Brand 
blasen. — 2) In dem engen Becken (Conjugata 3^ Zoll) einer 
kleinen, schwächlichen Zweitgebärenden, welcher vor 2 Jah 
ren die erste, schwierige Zangen-Operation ein 10wöchentliches 
Krankenlager zuzog, war der Steiss des Kindes eingekeilt.
	        
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