Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

298 III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
deres Glied befestigen, wie z. B. hei Oberschenhelhriichen die 
31. rectus femoris, scmitcndinosus, semimembranosus etc. las 
sen Verlängerung der Extremität zu, ohne bei Ausdehnung aufs 
untere Bruchstück zu wirken und die Bänder am entfernten, 
der Ausdehnung am nächsten liegenden Gelenke werden in ih 
rer Contractionskraft endlich auch überwunden und tragen dazu 
bei. Die Länge ist hergestellt, die Vorsprünge am Knochen 
entsprechen einander und die Bruchflächen berühren sich nicht 
an allen Puncten, sondern sind um einige Linien übereinander 
geschoben. Da Ausmessung über dieses Verhältniss weniger 
Auskunft giebt und nur durch Betasten der Bruchstelle zu er 
forschen ist, dieses aber bei starker Muskulatur, Fettheit und 
schiefen Brüchen Abweichung von einigen Linien nicht immer 
entdecken lässt, so ist der Wundarzt ganz schuldlos, wenn er 
nach der Heilung geringe Verkürzung bemerkt. Dass diese 
Differenz aber zuweilen dann nur scheinbar ist, erfuhr R. bei 
einem Kranken, der ihm nach der Heilung versicherte, der 
Fuss sei, ungeachtet der auf Erhaltung der Länge verwendeten 
Aufsicht, einige Linien kürzer und dies durch horizontale Lage 
auf einer Decke beweisen wollte. Der Verf. fand zu seinem 
Erstaunen dies bestätigt und rieth, den Absatz um so viel ho 
her machen zu lassen. Doch jetzt hinkte er nach der gesunden 
Seite hin und bei der nächsten Untersuchung bemerkte R., was 
er bei der ersten übersehen hatte, dass er den Oberschenkel 
kopf bei Anstrengung, den Fuss möglichst auszustrecken, uni 
ihn dem gesunden gleich zu machen, unwillkürlich durch Con- 
traction der # Oberschenkelmuskeln, die sich hart und gespannt 
anfühlten, um einige Linien tiefer, als den gesunden, in die 
Gelenkpfanne presste. R. maass nun die Entfernung von der 
Darmbeingräthe bis zum Knöchel und untersuchte den im rech 
ten Winkel gebogenen Unterschenkel im Sitzen auf einem Sche 
mel und bemerkte durchaus keine Abweichung. Die Erhöhung 
des Absatzes bleib weg und mit der Zunahme der Kraft ver 
lor sich der hinkende Gang. — Die vorzüglichsten Ursachen 
der Verkürzung eines Glieds w ährend der Heilung eines Bruchs 
der Unterextremitäten sind nun folgende: 1) Absorption der Kno 
chensubstanz bei Gallusbildung. Nach den bei diesem Processe 
gemachten Versuchen und Beobachtungen entwickelt sich, ehe 
die neue Bildung der vereinigenden Masse aufängt, Entzündung, 
Anschwellung und Erweichung der Bruchenden, es erwacht 
gleichsam productives Leben und es erfolgt Rückbildung der 
Massentheile auf frühere Lebensstufe, bevor Absonderung des 
Bildungsstofles beginnt, aus dem die Gallusmasse allmählig her 
vorgeht. Dabei schwinden aber gleichzeitig durch Aufsaugung 
alle Unebenheiten und Splitter. Je grösser diese sind, desto 
wirksamer muss sich die Naturheilkralt äussern und desto grös 
ser die zu absorbirende Masse se) n. Besonders äussert sich 
bei Brüchen im schwammigen Gefüge der Knochen uud inner-
	        
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