Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

288 II. Matena inedica und Toxikologie. 
ten konnte. Die ganze Hautoberfläche beliielt jetzt violetten 
Schein, das Gesicht blieb aufgetrieben, dunkelblau. In diesem 
Zeiträume wurde durch Dr. Hahn die Weiss’sche Magen 
pumpe mit grösster Mühe und Gefahr, in die Finger gebissen 
zu werden, angewendet. Sobald die elastische Rohre derselben 
bis in den Anfang des Schlundes gelangte, trat der Trismus su 
heftig ein, dass Pat. selbst eia zwischen die Zähne gelegtes 
Holz zerbiss. Während Anwendung der Magenpumpe, durch 
die viel Wasser in den Magen gespritzt und wieder ausgezogen 
wurde, erschien der 4. und letzte Anfall des schauerlichen 
Starrkrampfes, s der sogleich in Bewusstlosigkeit und Asphyxie 
überging, aus dem Pat. nicht mehr erwachte. In dieser Zeit, 
so lange man noch, wie in den frühem Anfällen dieser Art, auf 
Nachlass des Krampfes wartete und man somit über den Tod 
noch ungewiss war, wurde auf v. Ludwig’8 Rath die sehr 
aufgetriebene linke Medianvene geöffnet, wobei man die merk 
würdige Beobachtung machte, dass, nachdem sich der erste 
Strom des gerade in dieser Vene enthaltenen dickflüssigen, dun- 
kelsclnvarzen und theerartigen Blutes entleert hatte, sich auf 
Druck aus der Aderlasswunde eine Reihe runder Gasbläschen 
von der Grösse einer Erbse bis zu der einer kleinen Kirsche 
entwickelten , deren Erscheinen sich bei jedem fernem Druck 
wiederholte und beurkundete, wie sehr bei dieser Vergiftung 
der Einfluss des Nervensystems auf Erhaltung der Mischung des 
Bluts erloschen und wie schnell hier bei noch zweifelhaftem 
wahren Tode das Blut chemisch zersetzt worden war. Von 
der Zeit des genossenen Gifts bis zinn Tode waren Stun 
den schauervollster Leiden verflossen. — Die Section wurde 
20 Stunden nach dem Tode vorgenommen. Obgleich sich ge 
rade die grösste Sommerhitze fand und der Leichnam noch län 
gere Zeit im Bette gelegen hatte, so bemerkte man doch kaum 
Spuren von Fäulniss, wohl aber war die Körperoberfläche von 
durchscheinendem venösem Blute in den Haut-Haargefässen noch 
eben so dunkelblau gefärbt wie beim Tode. Das Gesicht zeigte 
ein weniger aufgedunsenes und weniger verzerrtes Aussehen, 
als im Leben und die Pupillen waren nicht mehr erweitert, als 
man sie sonst bei Leichen findet. Der Unterleib war gespannt, 
fest, doch nicht aufgetrieben ; der ganze Leichnam ungewöhn 
lich starr und steif und sämmtliche Muskeln höchst rigid, be 
sonders die der unter Enxtremitäten, deren Vorderfüsse krampf 
haft verdreht waren. Nachdem, um die Rückenmarkshöhle er- 
ölFnen zu können, die Muskeln des Rückgraths eutblösst waren, 
sah man an denselben im Ganzen dieselbe Spannung-, das Mus 
kelfleisch selbst aber war bei Berührung docfi auffallend weich, 
teigig und bräunlichroth, ungefähr wie geräuchertes Fleisch. 
Bei Eröffnung der Rückenmarkshöhle flössen gegen 2 Pfund 
dickflüssiges, nicht geronnenes, ganz dunkelschwarzes, theerar- 
tiges Blut aus, von dem die Hände des Secanten eigentümlich
	        
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