Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

11. Materia rnedica und Toxikologie. 
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II. Materia medica und Toxikologie. 
5. Beobachtungen von Ileus, in welchen die 
von Hanius empfohlenen Belladonna-Klystiere mit 
Wutzen angewendet wurden; vom Kreisphys. Dr. Wag 
ner in Schlieben. Als W. die interessanten Beobachtungen von 
Hanius (Summar. N. F. Bd. II. Nr. 105. und 134.) gelesen, 
theilte er dieselben dem Dr. Loh re uz in Schönewalde mit, 
der ihm unlängst nachfolgendes meldete: am 21. April wurde 
L. zu einem schwächlichen, 23jährigen Knecht gerulen, der 
seit dem 19. über heftige Schmerzen in der Nabelgegend klagte, 
die, periodisch eintretend, beim Berühren sich so steigerten, 
dass ep laut aufschrie. Dabei hatte er unaufhörlich Würgen, 
seit einigen Tagen keine Oefi'nung und gespannten, harten Leib. 
Man entzog dem Kranken gehörig und zw’ar -wiederholt, Blut 
durch Aderlässe und Blutegel an Ort und Stelle, so wie man 
auch alles Bekannte, Zweckdienliche, nur nicht lebendiges 
Quecksilber, von innen und aussen anw-endete, auch Klystiere 
zur Genüge gab, doch vergebens. Alle Symptome stiegen und 
den 22. kamen nocli Subsultus, Ohnmächten, Zuckungen und 
Ausbrechen gelblicher, übelriechender Masse hinzu, Der Leib 
war tympanitisch aufgetrieben, hart, schmerzhaft und durch 
nichts zu öffnen, der Puls kaum zu fühlen, der Schweiss kle 
brig und die Angst unausstehlich, so dass nur naher Tod durch 
Brand erwartet werden konnte. Diesem Ausgange entgegense 
hend, kehrte L. vom Kranken zurück und wie durch Inspira 
tion kam ihm der erwähnte Aufsatz von Hanius in die Hän 
de. Er kehrte sofort zum Kranken zurück und wendete die 
Eelladonna-Klystiere, wie Hanius angegeben, sogleich an. 
Der Erfolg war überraschend. Die eine Hälfte wurde einge 
spritzt und nicht, wie alle frühem Lavements, sofort wieder 
ausgeleert, w-onach die stürmischen Symptome in etwas nacli- 
liessen. Der Blick wurde heiterer, der Unterleib weicher, doch 
war die Pupille sehr erweitert. Nach einer Stunde brachte man 
die zweite Gabe bei und das Mittel entsprach der Empfehlung 
ganz. Es traten bald reichliche Darmausleevungen ein, der Puls 
hob sich, Würgen, Erbrechen und alle Schmerzen schwanden 
und Pat. war damit dem Tode entrissen, befand sich auch spä 
ter noch ganz wohl. — Dieser Erfahrung scliliesst der Verf. 
seine eigene nachfolgende an: den 4. Juni 1836 wurde W. zu 
einer Tagelöhnerin gerufen, einer Frau gegen 40 Jahre alt, 
mager, sonst aber gesund und an schwere Arbeit gewöhnt. 
Sie klagte über gewaltiges Leibschneiden mit hartnäckiger Ver 
stopfung und unaufhörlichem Erbrechen, welche Zufälle sie seit 
5 Jahren oft gehabt, die aber immer bald vorübergegangen, dies 
Mal aber gegen Gewohnheit länger angehalten und sich am ge 
nannten Tage bei der Arbeit auf dem Felde so verschlimmert 
hätten, dass sie es draussen nicht mehr habe ausbalten könneu.
	        
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