Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

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III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
Md verschwand, was aber nur zum Theil geschah, wenn an 
dere Gestalten zwischen Pat. und das Scheinbild traten. Nach 
genauer Untersuchung konnte B., ausser wahrscheinlich vorhan 
denen Spulwürmern, deren auch früher schon oft abgegangen 
') aren. durchaus nichts Krankhaftes auflinden und namentlich 
hess sich nichts ermitteln, was auf krankhaften Consens zwi 
schen Unterleib und Kopf hätte schliessen lassen. Auch fühlte 
das Mädchen in den Anfällen weder im Unterleibe noch im 
Kopf irgendwo Schmerz und es stieg auch keine Aura von 
dort oder anderswoher ztun Kopfe auf. Zugleich mit dem 
* hantasina traten klonische Krämpfe und Angst ein, aber 
* at. konnte nicht recht bestimmen, ob etwa das Eine dem An 
dere vorherginge und es hervorriefe: ob vor der Erscheinung 
and den Krämpfen Angst entstehe, oder ob die Angst durch 
die Erscheinung hervorgerufen werde. Fragte mau sie oft da 
nach, so sagte sie im Fragengedränge, dass die Angst wohl 
durch den hässlichen Kerl entstehe, den sie sähe. Der Körper 
der Kranken war übrigens noch nicht so entwickelt, dass man 
hätte an erwachten Geschlechtstrieb denken können und von 
Onanie wussten die Eltern nichts. Bedachte jedoch B. die 
Veitstanz ähnlichen Bewegungen, in die das ursprüngliche Zit 
tern sich umgebildet hatte und dabei den lebhaften Geist und 
"eit über ihr Alter gereiften Verstand der Kranken, so liess 
sich der Gedanke nicht unterdrücken, dass doch wohl schon 
eine Geschlechtsreizung, sei es auch als dunkle, drängende, in- 
s, inctmässige Ahnung, als Stimulus nenmsm ohne bestimmtes 
Oefiih| und Bewusstsein, mit im Spiele sei. — Nachdem der 
Verf. der vermutheten Wurmcomplication durch Elect. antliehn. 
St'örclcii und Einreibungen von Ol. Terebinth. in den Unter 
leib entgegengewirkt hatte und 7 lebendige Spulwürmer abge- 
fiangen waren, gab B. folgende Tropfen, die sich ihm schon 
°ft beim Veitstanz vorzüglich bewährt hatten: Rec. Tinct. Ca- 
s Jor, canad. aeth. Tinct. Valer. aether. aa. 3j. Tinct. Alo'es 
M. I). S. Alle 2 Stunden 20 Tropfen. Der Abgang der 
” 'inner änderte das Uebel nicht, als aber Pat. etwa 3 Wo- 
«hen j n a ll m ählig verstärkter und wieder verminderter Gabe von 
“ en Tropfen genommen, wurden nach und nach klonische Be- 
"■egung un d Angst gelinder und das Phantasma fing an zu 
"•eichen und zu weichen. Zuerst wurde die rothe Mütze gelb 
Jyad allmählig blässer, dann wurden die Umrisse der ganzen 
.gar undeutlicher; nun verschwand der Mann und blos Ge- 
Mütze und Hand, in der er den Knochen hielt, blieben 
zurück; dann blieb auch Gesicht und Hand weg und das Mäd- 
c hen sah nur noch den Knochen und die Mütze darüber, die 
auch fortwährend w^isser und blässer wurde. Nach 5 Wochen 
?“ e . r Mar Phantasma und Veitstanz ganz verschwunden. [Med. 
~ et ** v. Vereine f. Heilk. in Pr. 1837. Nr. 5.]
	        
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