Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
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falls glaubt S. der Anzeige: den normalen Tonus der erschlaff- 
ten Weichtheile wieder herzustellen und die Exfoliation einer 
etwaigen cariösen Stelle zu befördern, am besten durch Ein- 
8 pritzungen von Tinct. Myrrh. mit Inf. Sab in. aa. zu ent 
sprechen und verordnete daher diese. Statt diese Einspritzungen 
Zu gebrauchen zog es Pat. jedoch vor, sich zu einer Wunden- 
Irau fahren zu lassen. Sein Zustand wurde da noch nicht bes 
ser» doch auch durch den Witterungseinfluss nicht schlimmer 
u ad eben so befand er sich noch im Frühjahre, wo er sich wie 
der an S. wendete. Pat. wurde nun dem ärztlichen Vereine in 
^Veissensee vorgestellt, unterliess aber auch dies Mal das ihm 
Verordnete Dcc■ Ziltmanni zu gebrauchen. Was später Pat. 
Von sich hören liess, gab wenig Holfnung zur Völligen Gene- 
8Un g, besonders da Beschaffung der nöthigen Mittel nicht nur 
durch Abneigung gegen geregeltes ärztliches Verfahren, sondern 
auch durch Armuth und Zerrüttung des Vermögens verhindert 
Vvurde. Erst den 30. April 1836 sah S. den Kranken wieder 
Un d fand ihn — ganz genesen und so wohl, dass er seine 
kleine Wirthschalt wieder selbst betrieb. Nur die Bewegung 
des Kopfs ist durch Ancylose in dem Grade, wie früher, be 
hindert und der Kopf nach der entgegengesetzten Seite gebo- 
Ren. Die letztem Geschwürsölfnungen waren schon seit einem 
halben Jahre vernarbt, [liust's Mag uz. j. d. gcs. lleiUc. Bd. 
48. Hft. 2.] 
99. Geschichte eines Phantasma visionis in 
Verbindung mit Veitstanz ähnlichen Krämpfen 
"ei einem 12jährigen Mädchen; von Dr. Brach in 
Neustadt, Cölner Regier.^Bez. Ein 12jähriges Mädchen von 
Rracilem Wüchse, blühender Gesichtsfarbe und lebendigem 
feiste, die früher meist immer gesund gewesen war, hatte sich 
durch den schreckhaften Anblick eines halb blödsinnigen Men- 
schen, den inan zum Beschluss einer Bauernhochzeit, seltsam 
a U8staffi r t, an den Häusern herumführte um Eier einzusammeln, 
eme krampfhafte Krankheit zugezogen, die in periodisch wie 
derkehrenden Anfällen von Zittern und dem Veitstänze ähnli 
chen Bewegungen des Körpers, verbunden mit einem Plumlus- 
1,1(1 visionis, das ihr jenen Menschen wieder vorspiegelte, be 
kund. So \yie sie diesen Menschen zuerst sah, der eine rothe 
"f'itze mit einer Feder trug und mit fratzenhaft verzerrten Zü- 
j? en an einem Schinkenknochen nagte, entsetzte sie sich, schrie 
laut auf, zitterte am ganzen Körper und es kostete den Eltern 
Viele Mühe sie nur einigerinaassen zu beruhigen, Tags darauf 
Verfiel sie in der Wohnstube plötzlich wieder in denselben Zu- 
stand und rief: der Kerl mit der rothen Mütze und dem Kno 
chen sei w ieder da und wies einige Schritte vor sich auf den 
j ec k, wo er stehen sollte. Man suchte sie zu überzeugen, 
dass dies nicht der Fall sei, führte sie an die bezeichnete Stelle
	        
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