Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

218 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
gestellt. Ich habe in der That bisher geglaubt, dass der hier 
zu nöthige Apparat höchst scliwierig herzustellen sei; allein ein 
hiesiger sehr geschickter Mechanikus hat mir die feste Ver 
sicherung vom Gegentheile gegeben und mir einen, inwendig 
mit einem luftdichten Firniss überzogenen flolzschrank, von 
einer Grösse beschrieben, wie sie dem Kranken alle Bequem 
lichkeit gewähre, den jeder nur einigermaassen bewanderte 
Mechanikus hersteilen und durch die nöthigen Vorkehrungen 
gegen die eindringende Luft verwahren könne. In diesen 
Schrank nun wird der Kranke gebracht, und dann die Luft so 
lange weggepumpt, als es dem Kranken angenehm ist, was er 
leicht durch Zeichen andeuten kann. Fühlt sich der Kranke 
wieder wohl, so darf die Luft nur ganz allmählig wieder zu 
gelassen werden. In der Originalabhandlung ist auch noch 
Galle und ein galvanischer Strom fiir einen Erwachsenen aus 
10—12 etwa 4 quadratzolligen Plattenpaaren, deren ein Pol, 
gleichgültig welcher, an der Zungenspitze, deren anderer Pol 
am After angebracht wird, empfohlen. Erstere, die Galle, um 
das Choleragift wieder zu zersetzen ; letzterer, der galvanische 
Strom, wenn der Darmkanal droht paralytisch zu werden und 
die Ausleerungen stocken. Ob der galvanische Strom unter die 
sen Umständen von Nutzen seyn könne, darüber hätte nur die 
Erfahrung zu entscheiden; die Galle ist jedenfalls überflüssig. 
Hat die Krankheit 2—3 Tage gedauert, und ist der sogenannte 
typhöse Zustand eingetreten, so hat man es nicht mehr mit der 
Cholera zu thun. Der Grund dieses Zustandes ist erschöpfte 
Nervonkraft. Die verdünnte Luft würde dann nur in dem Falle 
angezeigt seyn, wo die Respiration noch nicht frei von Statten 
geht, weil das Blut noch nicht dünnflüssig genug ist. Hier 
würde die verdünnte Luft das Blut dünnflüssiger machen und so 
die Respiration erleichtern. Ja von dieser Hülfe der verdünn 
ten Luft Hesse sich wohl sogar nach dem vermeintlichen Tode 
vieler Cholerakranken Nutzen erwarten. Der Scheintod ist 
nichts anders, als die Folge einer mechanisch gehemmten Circu- 
lation und Respiration bei vorausgesetzter übriger Integrität des 
Organismus. Dass die Circulation und Respiration in der Cho 
lera mechanisch beeinträchtigt worden, das wissen wir jetzt. 
Ob also die Choleraleiclie für scheintodt oder für wirklich todt 
zu halten sei, das würde sich nur danach entscheiden, ob die 
übrige Integrität des Organismus noch vorhanden sei, oder nicht. 
In Fällen, die 2 bis 3 Tage oder noch länger gedauert haben, 
mag freilich an eine solche Erschöpfung der Nervenkraft ge 
dacht werden können, wie sie sich nicht mehr ersetzen lässt; 
in Fällen dagegen, die schon nach 2 — 4 — 6 oder 8 Stunden 
zum Tode führten, in welchen noch obendrein gewöhnlich die 
profusen Ausleerungen höchst unbeträchtlich waren, da ist die 
Annahme einer Erschöpfung völlig unstatthaft. Eben so unstatt 
haft ist die Annahme einer Blutzersetzung. Würde das Blut
	        
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