Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

214 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
wandtschaft, sondern auch von der Masse abhängig ist, den 
grössten Theil des nächsten Choleraprincipes unter ihrer Herr 
schaft, und wenn nun das Choleragift, das natürlich nicht als 
Nahrung aufgenomnien wird, bei seinem Durchgänge durch die 
Dickdärme diese vielleicht zu einigem Säfteergusse reizt, so ist 
der erste Grad der Cholera oder derjenige Zustand, der die 
ganze Bevölkerung eines von der Cholera betrolfenen Ortes er 
greift , nämlich Poltern im Unterleibe, vermehrte dünnflüssige 
Stühle, die sehr bald mehr den Character der Darmsäfte zei 
gen, als fäculent sind, ganz natürlich gestörte Verdauung, und 
daher Appetitlosigkeit etc. etc. die einzige, unbedeutende Folge 
von der unerwünschten Gegenwart des nächsten Choleraprin 
cipes. Ganz anders dagegen im zweiten Grade, d. h. in der 
wirklich ausgebrochenen Cholera selbst. Diese nämlich tritt au 
genblicklich ein, sobald sich bei vorhandenem nächsten Chole- 
raprincipe im Darmkanale eine Menge Säfte aus dem Dünndärme 
ergiesst, die sich sowohl durch ihre stärkere chemische Ver 
wandtschaft, als nun auch durch ihre Masse des nächsten Cho- 
leraprincipes aus der Verbindung mit der Galle bemächtigt, da 
bei das Choleragift in grösserer Menge bildet und hierzu der 
Umgebung eine Menge Wärme entreisst, welche Wärme in ih 
rem Uebertritte zum Choleragifte den eigentlichen Krankheits- 
process der vollständigen Cholera erst einleitet. — Doch hier 
dürfte der passendste Ort seyn, die oben versprochene Vorstel 
lung von der Nerventätigkeit einzuschalten. Der Stoff, der 
dieser Vorstellung zum Grunde liegt, ist nichts Anderes, als 
die Wärme. Um aber die Wärme in allen ihren Eigenthümlich- 
keiten auffassen zu können, wird man vor Allem wissen müs 
sen, was es mit dem mystischen Wesen der latenten Wärme 
für eine Bewandniss habe. Wir wollen einmal versuchen, der 
Sache auf die Spur zu kommen. Wir wissen, die Wärme strahlt, 
d. h. sie bewegt sich in der Richtung einer geraden Linie von 
einem Orte zum andern, je nachdem sie durch irgend eine Kraft, 
z. B. durch neue nachfolgende Wärme, dahin getrieben, oder 
durch eine andere Ursache, z. B. durch aufgehobenes Gleichge 
wicht des Luftdruckes oder der Temperatur, dahin gezogen wird, 
welche Beispiele alle aber, wie der Physiker wohl weiss, auf 
Eins, auf Herstellung des Gleichgewichtes, hinauskommen. Den- 
ken wir uns aber jeneu Wärmestrahl einen Augenblick in Ruhe, 
und nehmen wir nur ein kleines Stück desselben von einige» 
Zollen in die Gedanken, so steht der Möglichkeit nichts entge- 
gen, dass jenes Stück Wärmestrahl anstatt der Form einer g e ” 
raden Linie unter Umständen die Form einer vollständigen Kreis 
linie angenommen habe. In diesem Falle würdeu alle Theil* 
dieser Kreislinie unter sich im Gleichgewichte stehen, und eS 
gäbe darum keinen Grund, dass die Wärme nach dieser oder 
jener Seite hin entwiche und sich als Wärme documentirte. Sie 
würde vielmehr, so lange sie in dieser Form verharrte, z" aC
	        
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