Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 207 
Harnbeschwerden beseitigt wurde. Am 10. Oct. ej. a. entstand 
endlich, angeblich nach einem Stosse auf den Unterleib und 
eei gleichzeitiger Erkältung, plötzlich völlige Harnverhaltung. 
fühlte steten Drang zum Uriniren, konnte jedoch nichts 
a uslceren, und über den Schaambeinen erhob sich eine elastische, 
•uelit unbedeutende Geschwulst, dabei fand sich Verstopfung, 
Ul ‘d der Knabe wollte vor Schmerz verzweifeln, ohne dass er 
an geben konnte, welche Stelle denn eigentlich schmerze. Es 
ent s t an d en heftige Fieberbewegungen, Schlafsucht, Delirien und 
reichte Convulsionen. Als E. ankam, hatte dieser Zustand schon 
jMirere Stunden gewährt, und die Eltern hatten schon warme 
Hader, erweichende Klystiere, etc. erfolglos gebraucht. Da 
durch mehrstündige Zurückhaltung des Harns die Iilase bereits 
80 ausgedednt Mar, dass lebensgefährliche Folgen zu befürchten 
standen, durch dynamische Mittel aber auf keine Weise die 
Ausleerung des Harns zu beM’erkstelligen war, so blieb nichts 
übrig, als Entleerung des Harns durch den Katheter, oder, falls 
®eine Einbringung nicht möglich sei, durch Puracentcsis vesicac 
urinctriae. E. versuchte zunächst die Einführung eines elasti 
schen Katheters, die zwar schwierig Mar und besonders im häu- 
Theile der Harnröhre und am Blasenhalse auf bedeuten- 
r. es Hinderniss stiess, doch endlich gelang. Kaum hatte der 
Katheter den häutigen Theil der Harnröhre und die Prostata er- 
re, clit, als der Harn durch und neben den Katheter zu fliessen 
a “ßng, so dass durch Entleerung von mehr als 1 Quart die 
Kfösste Erleichterung eintrat. Der Katheter konnte indess nicht 
j« der Blase gelassen M’erden, da Pat. dies für unerträglich er- 
. rt ®. Der Knabe verfiel nun in Sopor, aus dem er aber bald 
abermaligem schmerzhaften und vorgeblichen Drange zum 
.nfren envachte. Er bat dringend um Wiederholung der Ope- 
lallun , und dieselbe musste in der Nacht noch mehrmals vorge- 
•»ommen M’erden. Endlich M tirde er wdeder bis zu dem Grade 
® r Gesundheit hergestellt, den er vor der Jietcntio urinae com- 
Plt'ta besass, d. h. die mit unMillkiirlichem Harnen wechselnde 
> s urie bestand fort. Die Anlegung des Katheters hatte in— 
ess die Natur des Uebels wenigstens in so Meit aufgeklärt, als 
j n ? n nun Musste, dass an der Stelle, an der der Katheter nur 
Aliilie hatte durchgeführt Merden können, also im häutigen 
^'ytle der Harnröhre oder in der Prostata, die Ursache der 
finverhaltung enthalten seyn müsse. Untersuchung per anum 
c ar . nicht zulässig, und im Perinaeum und am Bulbus urcthrae 
s "l n| an durchaus nichts Abnormes, so genau man auch unter- 
p Auch die den Steinschmerzen eigentümlichen Symptome 
j* , . en * Da nun die Ursache der Harnverhaltung nur entweder 
röl V nen mec kanischen Hindernisse im häutigen Theile der Harn- 
re j oder krankhafter Beschaffenheit der Prostata bestehen 
j. nnt ®» 80 suchte E. zu letzterer unter dem Schaambogen durch 
8 Ligamentum Suspensorium mit dem Finger zu gelangen,
	        
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