Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

14 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
nicht zu denken. Pat. erhielt erweichende Umschläge und Ein 
reibungen in den Unterleib und man suchte die Kräfte durch 
Stillung der Diarrhöe und bessere Diät zu heben. Gegen die 
Schmerzhaftigkeit der Geschwulst wurden wiederholt lauwarme 
Bäder und örtliche Blutentziehungen angewendet, doch musste 
man bei grosser Schwäche bald auf letztere verzichten. Nach 
4 Wochen erfolgte der Tod unter colliquativen Durchfällen und 
Schweissen. An dem Leichname bemerkte man äusserlich nichts 
Regelwidriges bis auf den in der Nabelgegend durch eine um 
schriebene, einen Kinderkopf grosse harte Geschwulst ausgedehn 
ten Unterleib. In der Bauchhöhle fand sich e’n Quart röthlich- 
braune, seröse Flüssigkeit. Das Peritoneum sow ohl der Bauch 
decken, als wie des Darmüberzugs war an mehreren Stellen 
geröthet und deutlich entzündet. Magen und Därme waren auf 
der innern Fläche, bis auf einzelne gelässreiche aufgew ulstete 
Stellen der Schleimhaut normal, ntir im untern Theile des Dünn 
darms, nahe dem Blinddärme, sah man einzelne kleinere und 
grössere Geschwüre mit callösen Rändern. Milz, Pancreas, 
Nieren und Harnblase waren normal. Der Uterus hatte die 
natürliche Grösse im nicht schwängern Zustande und eine auf 
gew ulstete Vaginalportion mit vielen vernarbten Einrissen. Der 
Körper enthielt einen Faserknorpel. Ovarium und Muttertrom 
peten zeigten keine Regelwidrigkeit. Die Leber erschien gleich 
auf den ersten Blick ungewöhnlich gross und ragte besonders 
mit dem untern Rande bis in die Regio mcsogastrica. Auf 
den convexen Flächen sah sie etwas blass-gelb, sonst aber nicht 
ungewöhlich aus und Rinden- und Marksubstanz waren bei 
kleinen Einschnitten deutlich geschieden. Linker Lappen und 
Lohilus Spigrin waren normal. Die die Gallenblase in sich 
aufnehmende Fossil tongitudinalis ilexlra war so verwischt, dass 
sie mit Gallenblase und rechtem Lappen einen runden kuglich- 
ten Tumor von der erwähnten Grösse bildete, sie sah bläulich 
grün aus und war so elastisch, dass Schwappung unter dem 
selben nicht zu verkennen war. Nach genauer Untersuchung 
fand sich zwar ein Rudiment der Gallenblase am Ausgange 
des Ductus cyslicus, das aber über die untere Fläche der Le 
ber durchaus nicht vorragte, sondern, nur durch grünliche Farbe 
ausgezeichnet, mit derselben ein Continuum bildete. Ein Ein 
schnitt in die Gallenblase entleerte ungefähr 2 Tassenköpfe gal 
lichter, braungelber Flüssigkeit und liess durch Eingehen mit 
dem Finger im rechten Leberlappen eine Gänseeigrosse Höhle 
entdecken. Nachdem man den Tumor von der Gallenblase aus 
auf der Hohlsonde geöffnet, sah man eine mit einer Pseudomem 
bran von fast j- Zoll Dicke ausgekleidete Höhle, die den In 
halt des beschriebenen ausgedehnten Leberlappens ausgemacht 
hatte. Wahrscheinlich war sie durch einen Tuberkel in der 
Leber entstanden und hatte bei Vergrösserung und Erweichung 
desselben die Häute der Gallenblase durchbohrt und so mit ihr
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.