Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 11 
lange als gefahrlose Krankheit dar, als nicht besonders unglück 
liche Individualitäten davon leiden, oder nicht gewisse äussere 
Ursachen auf dieselbe einwirken. Plötzliche Erkältung, Ueher» 
maass äusserer Hitze, Nässe, jeder energische Kunsteingriff kön 
nen dieses Uebel wahrhaft pestartig machen. Dass also die l'e- 
bris crijsipclatosa durch besondere Witt erungs beschallen heit 
leichf veranlasst wird, dass sie oft mit starkem Fieber und nicht 
selten mit bedeutender Geschwulst anfängt, dass sie beim Ueber- 
gange auf die Kopfschwarte oft die Hirnthätigkeiten stört, nichts 
desto weniger aber wieder in Gesundheit übergeht, wenn nicht 
von aussen verändernde Umstände dazu kommen: also grosse 
Empfindlichkeit dieser Krankheit gegen äussere Einflüsse, das 
ist für den Arzt die wahre Natur dieser Krankheit. Und diese 
Natur der Krankheit ist es, welche die Wege und Mittel an 
deutet , den Erkrankten vor einer Lebensgefahr zu sichern. 
[Heidelberger niedic. ~Annalen. Bd. II. Hft. 3.] 
2. Merkwürdiger Fall einer Pica; vom G. M. R. 
Dr. v. Vogki. in Rostock. Im letzten Sommer war zu Dobe 
ran unter den Badegästen eine auswärtige vornehme Dame, die 
seit Jahr und Tag an widernatürlichem Kohlenhunger litt. Sie 
war 32 Jahr alt, seit 10 Jahren verheiralhet und hatte erst 3 
Knaben glücklich geboren, dann 5 Jahre nachher einen Abor- 
tus gehabt, vor dem sich Speichelfluss gefunden. Gleich nach 
dem Aborlus wurde sie wieder schwanger. In der Mitte der 
Schwangerschaft stellte sich abermals Speichelfluss ein, der die 
zweite Hälfte der Schwangerschaft annielt. Zugleich litt sie 
gegen Ende derselben an ITnterleibsbeschwerden, Hämorrhoiden 
und Blasenkrämpfen, die dann aber ganz wichen. Ausser hy 
sterischer Disposition, die auch vor der Verheirathnng, wo sie 
vielen Kummer erliten, zugegen gewesen war, hatte sie sich, 
wie auch noch jetzt im Ganzen, ziemlich wohl befunden. Zwar 
sah sie etwas angegriffen aus, doch waren Appetit, Schlaf etc. 
gut. Uebrigens hatte der frühere Zustand des Unterleibes be 
sonders auf Leiden des Pancreas schliessen lassen, wohin man 
auch besondere Empfindlichkeit der Herzgrubengegend gegen 
ättssern Druck bezog. Unstreitig hingen damit auch viele Ma 
gensäure, der wiederholte Speichelfluss, Uebelkeiten, Erbrechen, 
trüber, sandiger Harn und Schärfe an den Augenlidern mehr 
und weniger zusammen. Deshalb ist sie auch und, wie sie 
sagt, mit' gutem Erfolge mehrmals in Karlsbad gewesen. Die 
ganze Familie leidet übrigens an Gicht und Hämorrhoiden. 
'Seit geraumer Zeit, namentlich ununterbrochen seit 1^- Jahre 
leidet sie nun an unersättlichem Kohlenhunger. Zuerst äusserte 
er sich in der 3. Schwangerschaft, nachdem Pat. gegen Magen- 
saure und Speichelfluss von ihrem Arzte Kohlenpulver erhalten 
hatte. Die Kohlen geniesst sie mit grossem Wohlbehagen, wo 
bei ihr das Geräusch vom Kauen derselben auch besonders an 
genehm und behaglich ist. Merkwürdig ist auch der Einfluss
	        
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