Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

118 III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
rieb, nach Aufhören der Blutung, alle 2 — 3 Stunden Bella 
donnasalbe auf denselben, setzte antispasmodische Klystiere und 
gab innerlich eine Oelenmlsion mit Natr. stilph. Den Durst 
suchte man durch in den Mund genommenen Essig mit Wasser 
zu stillen und Hess Pat. horizontal legen. Die Nacht zum 2. 
Aug. wurde fast ganz schlaflos zugebracht, dagegen traten Er 
brechen und kolikartige Schmerzen weit seltener ein. Letztere 
kehrten jedoch Abends, nachdem Pat. Vormittags ein warmes 
Bad genommen und darauf einiges Schwächegefühl erfolgt war, 
dann aber eine kräftige Weinsuppe genommen hatte, wieder 
heftiger, als früher zurück und brachten allgemeine Fieberhitze 
mit sehr hartem Pulse hervor, so dass noch spät am Abende 
zwölf Unzen Blut weggelassen werden mussten. Auf den Un 
terleib machte man nur warme aromatische Einreibungen und 
untersagte alles Erhitzende aufs Strengste. Die Taxis wurde 
immer mit grösster Vorsicht, in der Regel alle 5 — 6 Stunden, 
besonders aber nach dem aufs Bad oder das Aderlässen erfolgten 
Collapsus vorgenommen und nie länger als ^ Stunde lang nach 
Cooper und Scarpa fortgesetzt. Den 2. und 3. Aug. ging 
es ziemlich gut. Man fuhr ausser dem Bade, den Klystieren 
und Einreibungen mit der bisherigen Verordnung fort. Der 4. 
Aug., der 5. Tag der Incarceration, verlief erträglich bis gegen 
Abend, wo sich ohne veranlassende Ursache alle heftigen Un 
terleibsentzündungen eigene Symptome aufs Neue wieder ein 
stellten, so dass ein Aderlass von 10 Unzen unerlässlich w urde. 
Das gelassene Blut hatte, wie 2 Tage vorher, eine starke 
Crusta inflammatoria. Obgleich der Verf. durch dieses Ver 
fahren, besonders bei vorherrschend spastischer Einklemmung, 
schon manchen günstigen Erfolg erlangt hat, wobei er der Bal- 
ladonna keine geringe Beihülfe zumessen zu müssen glaubt, 
so machte er doch schon den 2. und 3., besonders aber den 
4. Tag der Einklemmung des Bruchs der Kranken die kräftig 
sten Vorstellungen, dass sie sich lieber bald, als zu spät der 
Operation unterwerfen möge, w T eil sie nur dadurch am gewis 
sesten gerettet w'erden könne: doch jede Erinnerung daran 
brachte sie immer so sehr in Angst, dass sie unwillkürlich 
an aller Gliedern zitterte und Stunden lang weinte und ihr 
Wahlspruch blieb immer, lieber sterben zu wollen als sich 
schneiden zu lassen. T. selbst trug nach dem 4. Tage weni 
ger auf die Operation an, weil er wusste, dass man bei so 
ängstlichen Kranken schon deshalb nicht ruhig genug operirf, 
weil so grosse Angst nicht selten eine unwillkürliche sympathe 
tische Einwirkung auf den Operateur ausiibt. Während Pat. 
wenig oder gar nichts zu sich genommen, wendete man wie 
derholt Bäder, Naphtha vkrioli und Sandsäcke äusserlich auf 
den Bruch an, setzte die bisherigen innerlichen Mittel fort, 
gab auch den 5. Tug, statt der bisherigen Tabakskiystiere, bin 
nen 5—6 Stunden noch 3 Klystiere aus Hb. BelUul, und Flor.
	        
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