Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

III. Chirurgie und Ophthalmologie. 11.‘I 
trocken , sondern auch das rechte Augenlid durch Blutinfiltration 
so angeschwollen war, dass es weit bis auf die Wange herab 
hing, kohlenschwavz w r ar, zu bersten drohte und hartnäckige 
Blephavoptosis zur Folge hatte. Ein Strom von Blut und blu 
tiger Flüssigkeit stürzte hervor und sogleich Hessen die Zufälle 
des Drucks nach und nahmen in dem Grade ab, als das wahr 
scheinlich auch in der Tiefe angesammelte Extravasat ablief; 
oder aufgesaugt wurde. Die gelind eröffnende antiphlogistische 
Mixtur, so wie die äusserlichen Mittel wurden fortgesetzt. 
Gegen Mittag hörte Pat. auf seinen Namen und einige Stunden 
später antwortete er schon auf einige Fragen richtig, merkwürdi 
gerweise aber im hochdeutschen Dialecte, den er früher gar 
nicht zu sprechen vermochte. Er behielt denselben auch meh 
rere Tage bei und nahm später in dem Grade den seinigen erst 
wieder an, als] das Hirn freier wurde und [der Sopor ganz 
nachliess, was mit Ende des 3. Tags geschah. Ein dem Verf. 
befreundeter Arzt, der den Kranken zu Ende des 2. Tages 
mit G. besuchte, fand ihn wie beschrieben und billigte die Be 
handlung desselben. Sie wurde also unverändert beibehalten. 
Nach und nach ging G. unter Berücksichtigung des allgemeinen 
und örtlichen Krankseins zu gelinden Excitantibus über und ver 
band vom 5. Tage an mit Dec. Gort. Quer und Acet. mijrrh., 
worauf schon am 7. Tage eine gute Eiterung eintrat, und am 
9. die schönste Granulation hervorsprosste. Das Hirn war und 
blieb ganz frei, alle Organe fungirten gut und am 16. Tage 
war die sehr grosse Wunde schon bis auf eine kleine Stelle 
mit guter Granulation bedeckt und der Umfang derselben bei 
vorschreitender Vernarbung fast bis zur Hälfte verringert. Am 
25. Tage entfernte G. noch 2 lockere Knochenstücke, von de- 
.nen jedes 1 Zoll lang und — 4- Zoll breit war. Das oben 
beschriebene, grössere, eftvas umgestülpte Fragment war wie 
der fest geworden. Am 27. Tage trat plötzlich Erbrechen mit 
fliegender Hitze und wechselndem Froste ein, aber wohl nur 
als Folge eines Diätfehlers, denn schon nach einigen Stunden 
waren diese Symptome wieder verschwunden und die Wbnde 
bot nichts dar, w as Reizung des Hirns fürchten liess. Am 
30. Tage konnte Pat. das Lager verlassen und den 1. October, 
als am 76. Tage, war nur noch eine kleine Stelle, so gross 
"wie ein Silbersechser,, nicht vernarbt. Diese Stelle w ar von 
einem runden Fleischwalle gebildet, wie er sich bei Necrose 
findet. Mit der Sonde liess sich Pat. durchaus nicht unter 
suchen. Später stiess sich von selbst noch ein kleines Knochen 
stück los und am 90. Tage war das in so bedeutendem Um 
fange frei liegende Hirn ganz mit einer Hautdecke überzogen. 
G. schützte uun durch eine gepolsterte Hornplatte die neuge- 
bildete, bei jeder Pulsation de» Hirns hervorgetriebene Haut 
vor verletzenden Eindrücken und der junge Mensch verrichtet 
nun schon seit 3 Jahren seine Arbeit wieder wie früher. In 
Sruumariuin d. Medicin. 1837. I. 8
	        
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