Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

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I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
fort gemachte Venäsection und ein am folgenden Morgen ge- 
reichtes Brechmittel machten zwar den Fuss, aber nicht den 
Arm brauchbar. Ein Vesicator im Nacken, auf den Darmka 
nal ableitend wirkende Mittel, wiederholte Emetica und kräfti 
ge Einreibungen heilten das Uebel in 14 Tagen grösstentheils. 
— Bald nach glücklich überstandenen gutartigen Masern klagte 
ein Mädchen von 7 Jahren über Kopfweh und Augenzwang, 
ohne dass sich eine Gelegenheitsursache auffinden liess. Pat. 
konnte die Augen nur schwer öffnen, sah bleich aus, w’einte, 
stöhnte, zitterte an allen Gliedern; die Zunge war rein und, 
wie auch die Temperatur der Haut, natürlich, der Puls klein, 
massig beschleunigt, mehr krampfhaft. Bei einer gelinden anti 
nervösen Behandlung veränderte sich nichts wesentlich; der 
Tremor artuum dauerte fort, Puls und Athem waren veränder 
lich. Am folgenden Morgen trat plötzlich ein heftiger Opisthoto 
nus und ein Starrkrampf des ganzen Körpers ein, wobei Pat. 
lebhaft fieberte und sehr schnell athmete; nach einigen Minuten 
trat bedeutende Remission ein. Wegen der wohl nicht zu be 
zweifelnden entzündlichen Gehirnreizung wurden Blutegel an den 
Kopf, kalte Umschläge um selbigen und Kalomel verordnet. 
Allein nach 4 Stunden (um 10 Uhr) war der Zustand noch 
bedenklicher: die Augen starr und gegen Lichtreiz unempfind 
lich, der Mund verschlossen, jedoch leicht zu öffnen, das Schlin 
gen erschw ert, der Kopf w arm, der Puls und Athem sehr be 
schleunigt und die Besinnlichkeit fehlte ganz und gar. Jetzt 
wurde Eiswasser um den Kopf geschlagen, in den Nacken ein 
Vesicator, auf die Waden und Herzgegend Senfteige gelegt und 
die Kalomelpulver (2 Gr. p. d.) fortgegeben. Bis 2 Uhr hatte sich 
weiter nichts geändert, als dass der Blick natürlich, das Ath- 
men ruhiger geworden war. An dem einen Finger bemerkte 
man eine rothe Stelle, wie verbrannt; die Waden fühlten sich 
trocken und rauh an und hatten einige masernähnliche Flecken. 
Man liess noch 6 Blutsauger an den Kopf setzen und mit den 
übrigen Mitteln fortfahren. Um 5 Uhr schien der Zustand ge 
bessert, obgleich die Unbesinnlichkeit noch anhielt; nach eini 
gen Stunden schlug das Kind, wie aus einem tiefen Schlafe er 
wachend, die Augen auf, war sich seiner ganz bewusst und 
verfiel später in einen sanften Schlaf. Leibesöifnung war eini 
ge Mal erfolgt. Noch besser war der Zustand am Morgen (des 
18. Juni) nach einer ruhigen Nacht; allein gegen Mittag ward 
das Kind wieder weinerlich und schläfrig, und Abends mussten 
wegen offenbarer Verschlimmerung abermals 4 Blutegel ange 
legt werden. Am 20. wurde das Kind wieder sehr unruhig 
und w einerlich, obgleich das Fieber ganz zurück getreten war. 
Am Abende des 23. sah man wieder Unruhe und das Zittern 
der Glieder und die krampfhaften Bew egungen einzelner Ge 
sichtsmuskeln hatten zugenommen. Endlich trat ein Schlaf ein, 
aus welchem das Kind in einem höchst bedenklichen Zustande 
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