Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

72 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
werthen Unterschieden zwischen acuten und chronischen Krank 
heiten gehört die Thatsaclie, dass in acuten Formen das Er 
fassen ihrer generischen Bedeutung den Heilplan mit grosser 
Sicherheit begründen kann, ohne dass die specielle Beziehung 
der vorliegenden Krankheit völlig erkannt ist. Anders verhält 
es sich bei chronischen, die nur der sicher heilen kann, der 
ihr Wesen ganz erkannt hat. Die Amenorrhoe und besonders 
die Menostasie, aus der sich die mit Recht gefürchtete Bleich 
sucht bildet, bietet ein merkwürdiges Beispiel diagnostischer 
Irrthümer dar, die wohl näherer Prüfung werth sind. Schei 
nen auch die Aerzte überzeugt, dass es überhaupt keine speci- 
fische Mittel giebt, dass es also auch kein specilisches, für alle 
Fälle passendes Pellens in Menostasie geben könne, so wurzelt 
doch das Vertrauen zu einzelnen überall anempfuhlenen Mitteln 
tief. Einige glauben im Eisen und seinen Präparaten, Andere 
in der Sabina und mehreren ^ihr ähnlichen Vegetabilien, Andere 
im Borax und noch Andere in der Venäsection aus der Sa 
phena das sichere Mittel gefunden zu haben und Alle berufen 
sich auf die günstigen Erfolge, an deren Wahrheit nicht zu 
zweifeln ist. Da aber diese Mittel nicht einerlei wirken kön 
nen, so muss hier die Theorie die Vermittelung übernehmen, 
den Zusammenhang des Erfolges erklären und so dem in der 
Erfahrung Nachgewiesenen Sinn und Bedeutung geben ; nur so 
können die Wahrnehmungen gesondert, die Beobachtungen 
geläutert und schliesslich die Erfahrungen festgestellt werden. 
Genaue Prüfung des weiblichen Lebens wird die Erfahrung 
bald überzeugen, dass ausser den in der organischen Bildung 
und ihrer verschiedenartigen Hemmung liegenden Hindernissen 
3 auf dynamischen Missverhältnissen beruhende Zustände die 
Abweichungen und Regellosigkeiten in der Menstruation und 
daher auch Menostasie und Chlorosis herbeiführen. Die ersten 
beiden begründen eine Chlorosis atonica, aus dem dritten bil 
det sich die Ch. foriionim hervor. Ohne ein erschöpfendes 
Bild einer in Folge der Menostasie entstandenen Chlorosis auf 
stellen zu wollen, bemerkt der Verf. bloss, dass jener äussere 
Ausdruck der Erschlaffung, die auffallende Weichheit der Fa 
ser und der aufgedunsene leucophlegmatische Habitus mit gänz 
licher Fieberlosigkeit und den matten schleichenden Pulsen die 
erste Richtung der w irklich atonischen Chlorosis bezeichnet, wie 
sie gewöhnlich als Folge grosser Erschöpfung nach bedeutendem 
Säfteverlust, schweren Krankheiten und unter dem Drncke der 
Armuth eintritt. Hier zeigt sich auch gelbe Hautfarbe, die 
dem Uebel den Namen Chlorosis gab, mit der Blässe der Lip 
pen, dem matten glanzlosen Auge und der tief gesunkenen Er 
nährung. Hier fehlt nie der Fluor albus und beschränkt sich 
nicht bloss auf die Zeit der frühem Menstruation, sondern 
dauert ununterbrochen fort; auch bemerkt man hier die Moli 
mina ad Menslrua nicht eher, als bis die Anomalie der Fun
	        
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