Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

70 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
am 28. Nov. 1833 an die K. Poliklinik zu Avenden. Das 5| 
Jahr alte, nur wenig abgemagerte, für sein Alter normal aus 
gebildete Kind, atlimete mit sichtbarem Ausdruck von Unruhe 
und Angst im Gesichte, während sich die Nasenflügel beAveg- 
ten und der Thorax stark ausdehnte. Husten und vernehmba 
res Schleimrasseln soll sich erst seit kurzer Zeit eingestellt ha 
ben. Die Herzschläge Avaren intensiv sehr stark, aber unregel 
mässig, sOAVohl der Qualität, als der Frequenz nach bald Avurm- 
förmig, so dass sich die einzelnen Schläge nur sehr scIiAver un 
terscheiden liessen und nur scliAvach vibrirende Bewegung wahr- 
genommen Averden konnte, bald Aveniger, bald sehr frequent. 
Der Puls entsprach den Herzschlägen. Die äussere Haut zeigte 
im Allgemeinen dunklere, fast aschfarbene Schattirung, an 
einigen Stellen dunkelblaue, namentlich an der rechten Brust 
seite und theilAveise livide, blaue, kleine, Petechien ähnliche 
Flecke. Die Begränzungen der Nase und Lippen, so Avie Lip 
pen , Zahnfleisch und Zunge Avaren von dunkler, ins Blaue 
spielender Farbe. Eben so sahen auch die Augenlider und ihre 
Umgebung aus und auf der Conjunctiva Sclcrotica bemerkte 
man ziemlich starke Gefässanschwellnng. Die Nagelglieder der 
sonst normalen Finger Avaren aulfallend dick und kolbig, die 
Nägel sehr convex, an den Rändern nach innen umgebogen und 
dunkelblau; die Gelenke der Finger aufgetrieben, von bläuli 
cher, doch Aveniger dunkler Farbe. Aus dem Munde fand sich 
fauliger Geruch vor, ohne Zeichen von gastrischen Beschwer- 
den, der Appetit war sehr veränderlich, der Durst vermehrt, 
Leibesölfnung und Urinausleerung nicht gestört und die äussere 
Haut, besonders an den Extremitäten, kühl. Sehr bald steiger 
ten sich alle Beschwerden, besonders die andauernde Unruhe 
und Angst und Avenige Tage nach der Aufnahme ins Institut 
verstarb das Kind. Wenige Stunden vor dem Tode sprach es 
viel von demselben, tröstete die Eltern, schien gefasst und ver 
schied bei immer bescliAverlicher und langsamer Averdendem 
Athem ohne eigentlichen Todeskampf. Die Section wurde 48 
Stunden nach dem Tode unter Froriep’s Leitung vorgenom 
men. Der Leichnam hatte auf dem Rücken in einer Tempera 
tur von ungefähr 15° R. gelegen. Die Haut hatte im Allge 
meinen eine blasse, ins Gräuliche spielende Farbe und an meh 
reren Stellen Todtenflecke und petechienartige Sugillationen, be 
sonders an der untern Seite beider Vorderarme, auf der Brust 
und zwischen den Muse. Sternocleid. und den Schultern. Die 
Gesichtszüge verriethen nicht mehr Angst, sondern die Ruhe 
eines schlafenden Kindes. Die Farbe des Gesichts war ganz 
verscliAvunden, bis auf einen kleinen Anflug davon an den frü 
her dunkelblauen Lippen, auch hatte sich zum Theil die 
eigenthümliche klobige Form der Finger verloren. Die Haut 
der Fingerspitzen war ganz schlaff, die Gestalt der Nägel un 
verändert, die blaue Farbe derselben, so wie der Fingerspitze»
	        
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