Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 69 
rulenta behaftete jüdische Familie vertrieb dieses Uebel durch 
Quecksilber, welches in einem ledernen Gürtel eingeschlossen, 
bis zum Verschwinden der Krätze auf blossem Leibe getragen 
wurde. Bald darauf aber erkrankten sämmtliche Glieder dieser 
Familie: die 70jährige Mutter bekam Eczema rubrum, Fieber 
und ödematöse Anschwellung des ganzen Körpers; der ebenso 
alte Vater Ophthalmia scubiosa; der eine Sohn 24 Jahre alt, 
grosse und tiefe Eitergeschwülste im Ellenbogengelenke und im 
Gesässe; der andere, 20 Jahre alt, eine arge und hartnäckige 
Gelbsucht. — Ein 26jähriger Bauer, der sich die Krätze durch 
eine Salbe aus Hydrarg. oxydat. rubr., Terebinthin. uud 
Schweinefett vertrieben hatte, ein starkes , entzündliches Fieber, 
Eczema rubrum und ödematöse Anschwellung des ganzen Kör 
pers. [Horn's .Archiv. Scpt. Oct,\ 
30. Geschichte eines merkwürdigen Falles von 
Gyanosis, bedingt durch Oeffnung beiderVentri- 
kel in die Aorta; von Dr. E. Lexis in Berlin. Albertine 
MV*., anscheinend gesund geboren, von wohlgenährtem, star 
kem Körper, munterer Sinnesart, war im ersten Jahre gut ge 
diehen, nur dass die Mutter schon damals, wenn das Kind ins 
Freie kam, sehr erschwertes, ja oft keuchendes Athmen be 
merkt haben wollte. Die Eltern waren, wie die übrigen Kin 
der, ganz gesund. Die eigenthümlichen Erscheinungen eines 
angebornen organischen Herzleidens sprachen sich deutlich erst 
als die Kleine zu laufen anling aus. Nach unbedeutender Be 
wegung oder in Folge von nicht körperlichen Aufregungen, 
wenn das Kind irgend gereizt w urde, stellte sich bläuliche 
Färbung der Haut, besonders im Gesichte ein, so wie Anfälle 
von starker Brustbeklemmung und Angst, welche das Mädchen 
in niedergekauerter Stellung durch Vorbeugung des Oberkör 
pers zu vermindern und abzukürzen suchte. Später kamen 
krampfhafte Bewegungen und schmerzhaftes Ziehen in den Ex 
tremitäten, Unlust sich zu bew egen und auffallende Schwäche' 
der Extremitäten dazu. Der Angabe der Mutter nach, war die 
äussere Haut kühl und das Kind, sehr empfindlich gegen Kälte, 
klagte ohne äussere Veranlassung fast fortwährend, dass es 
friere, vermied aber in der kältern Zeit gleichwohl den Ofen, 
da die Beschwerden bei erhöhter Temperatur sichtlich Zunah 
men. Da die Eltern alles vermieden, was die Kleine aufregte, 
war sie so reizbar und eigensinnig geworden, dass nothwendig 
dadurch die Gelegenheit zu Aufregungen und folglich auch die 
Wiederholung der asthmatischen Zufälle immer häufiger wur 
den. Abgesehen von äussern Veranlassungen w urden die Brust 
beklemmungen im Winter am häufigsten. 1831 suchte die Mut 
ter ärztliche Hülfe und langer Gebrauch des Elix. acid. Hall. 
so wie häufige Waschungen des Körpers mit Wasser und Wein 
essig schienen sehr vortheilhaft zu seyn. Auffallende Verschlim 
merung aller Beschw erden bestimmte die Eltern jedoch, sich
	        
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