Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 67 
um Hülfe, drohte um sich zu schlagen, verdrehte die Augen 
und schien dem Erstickungstode nahe; nach einigen Minuten 
brachte er nach vielem vergeblichen Würgen einen wallnuss 
grossen Reisklumpen heraus, und alle Gefahr war vorüber. 
Zwei Tage hierauf starb er. — Bei einem 9jährigen Knaben 
kehrten lolgende Erscheinungen zurück, welche er schon vor 
2 Jahren gehabt. Ohne erhebliche Halsschmerzen, ohne Schlin- 
gungsbeschwerden , ohne Geschwulst der afficirteu Organe wa 
ren die Fauces, der weiche Gaumen und die Zunge scharlach- 
rotli; die Zunge war, besonders an der vordem Hälfte, von 
den hervorstehenden Wärzchen wie gestippt. Das Allgemein 
befinden war nicht gestört, bis auf etwas Kopfschmerz und 
Unbehaglichkeit. Aach l4 Tagen verschwand jene Affection 
ohne Weiteres. — Acht Tage später bekamen 4 Geschwister 
dieses Knabens Angina tonsillaris, Husten, Schnupfen und 
Heiserkeit von kurzer Dauer. Ein Schulfreund des kran 
ken Knaben bekam um diese Zeit das Scharlachfieber. — Eine 
zu Fetterzeugung geneigte, ältere Person, bekam nach Erkäl 
tung einen nesselartigen Ausschlag, nach dessen baldigem Ver 
schwinden sie schlafsüchtig wurde. Der Kopl schien nicht affi- 
cirt; der Puls war normal, die Leibesöffnung regelmässig, das 
Aussehen unverändert; aber Pat. fühlte sich sehr matt und 
wollte immer schlafen. Wein, in kleinen Gaben, und ein In 
fus. Valer. c. Tinct. cliinae hoben das Uebel. — Ein Knabe 
von 1-t- Jahren, der im verwichenen Sommer an einer heftigen, 
beinahe tödtlich gewordenen Eclampsie gelitten, bekam jetzt 
schmerzhaftes Zucken mit dem Munde, knirschte mit den Zäh 
nen, hatte eine belegte Zunge und litt an Appetitlosigkeit und 
an Vomituritionen. Ein gereichtes Brechmittel wirkte 3 Mal, 
gab eine ruhige Nacht, nach welcher der Knabe ganz munter 
schien. Allein Morgens nach 9 Uhr verfiel er plötzlich in die 
heftigsten tonischen Krämpfe, wobei der Kopf sehr heiss ward 
und die Adern lebhaft pulsirten. Blutegel, kalte Umschläge, 
Uebergiessungen im lauen Bade, Senfteige und Pulver aus Ka- 
lomel und Zinkblumen wurden mehrere Stunden ohne Erfolg 
angewendet, bis endlich mit Erbrechen und Durchfall Remis 
sion eintrat. Der Knabe hatte noch mehrere unruhige Nächte, 
noch 4 — 6 Tage nach einander durchfällige, stinkende Stuhl- 
gänge, nicht die mindeste Esslust und erholte sich langsam. — 
Ein Zuckersieder, der bei nasskalter Witterung viel zu besor 
gen hatte, bekam in der Nacht Durchfall und erbrach am Mor 
gen eine hellgrüne Flüssigkeit. Die Zunge war belegt, zit 
ternd, kalt, die Hände kalt und bläulich, der Puls 
nicht z u f ü h 1 e n, d i e S t i m m e heiser. Stündlich 25 Tro 
pfen von Ol. Carvi aether. 5j. Sulph. aethcr. 5ij- > Tinct. 
iheb.' 5ß., in Fliederthee genommen, brachte den Cholerakran- 
ken in Transpiration und machte ihn gesund. Wie, ruft Verf. 
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