Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

66 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
den Körper ganz in Wolle gehüllt hatte, kam ein allgemeiner 
Schweins durch, die Angst minderte sich, der Puls hob siel) 
etwas, und am folgenden Tage war der ganze Körper mit einein 
masern-ähnlichen Exanthem bedeckt. Das Gefühl von Leere 
und Schwäche im Herzen nahm immer mehr ab und Pat. genas 
im Verlaufe einiger Wochen. — Die pockenkranke Wöchne 
rin, von welcher im Vorigen die Rede war, hatte mehrere 
ebenfalls vaccinirte Personen ihrer Umgebung angesteckt, den 
einen früher den andern später. Ihr Mann, der noch deut 
liche Impfnarben trug, wurde vom Verf. erst am 19. 
Oct. geimpft, und bekam am 8. Tage die Schutzblattern ganz 
vollständig und sie verliefen mit bedeutender peripherischer Kötlie, 
Geschwulst des Armes, Anschwellung der Drüsen und lebhaf 
tem Fieber. Also ein der Pockenansteckung wochenlang aus- 
gesetztes Individuum mit so entschiedener Opportunität für da« 
Pockencontagium blieb dennoch gänzlich davon verschont! — 
Die Varicellen, welche in einer Familie vorkamen, trugen sich 
nach des Verfs. Vermuthung durch Ansteckung über; aber die 
Zwischenräume der letztem waren ungewöhnlich lang, selbst 
7 Wochen. — Auf die Gemütskranken hatte die Witterung» 
aller Vorsicht ungeachtet, nachtheiligen Einfluss. Eine Person» 
die schon zum 6. Male während der Sommermonate an periodi 
schen Wahnsinne gelitten hatte, unverheiratet und 30 Jahre 
alt war, war dies Mal beim Anblicke eines Epileptischen erst 
in ruhigem Wahnsinn, dann in Tobsucht versetzt worden. Tag' 
liehe Uebergiessungs- und Douchebäder, wiederholte Brechmit' 
tel, schmerzhafte Derivantia externa, Regulirung der Diät und 
Sorge für tägliche Leibesöffnung, brachten die Tobende in vief 
Wochen so weit zur Besinnung, dass man sie auch geistig be 
schäftigen konnte. Noch vor Ablauf von 3 Monaten wurde sie 
geheilt entlassen. — Bei einem Phthisiker fand wahrschein 
lich gleichzeitig eine organische Krankheit der Speiseröhre Statt* 
Der Kranke, ein Unverheirateter von 28 Jahren und aus einet 
lungensüchtigen Familie abstaramend, befand sich im letzten 
Stadium der Phthisis pulmonalis und litt seit mehreren Jahren 
an Würgen und Erbrechen eigentümlicher Art. Letzteres 
stellte sich gewöhnlich nach dem Genüsse flüssiger Sachen ein» 
und zw ar um so leichter, je kleiner die Quantität des Genos' 
senen w ar. Bisweilen blieb Pat. 1—2 Tage von dem Würge® 
und Erbrechen verschont und dann kam es um so heftige 1 » 
ordentlich stossweise. In den letzten Wochen seines Lebens lies® 
sich bisweilen recht schwer entscheiden, ob die Zufälle vo® 
Angst, Beklemmung, Zusammenschnüren der Brust und ein®* 
bis zur Manie gesteigerten Unruhe der Schwindsucht oder de® 1 
vermutheten organischen Fehler der Speiseröhre, oder endlich 
dem Conflicte beider zuzuschreiben seien. So überfiel den P®*' 
bald nach dem Genüsse von etwas Bouillonreis eine unendlich 
Angst und Unruhe, die Haut wurde brennend heiss, er schr ie
	        
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