Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

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III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
und dass dies mit Gefühl von Schwere und Kälte verbunden 
sei. Durch Lage und Beschaffenheit der Geschwulst, sowie 
durch anhaltende Heftigkeit der Symptome und die gastrischen 
Erscheinungen bestimmt, glaubte A. das Uebel in den Därmen 
suchen zu müssen. Die Stelle der Geschwulst entsprach der 
Lage des Blinddarms. Aus den Symptomen liess .sich abneh 
men, dass ein Secretionsprocess in der Tiefe schon im Beginnen 
sei. Um diesen zu befördern und der schon vorhandenen b.lüs- 
sigkeit den Weg nach aussen zu bahnen, wendete man fleissig 
warme Breiumschläge an. Einige Tage nachher nahm man, 
wenn man genau untersuchte, Fluctnation wahr und da sicli 
annehmen liess, dass die Adhäsion des kranken Darms mit dem 
Peritonäo geschehen, öfFnete A. die Geschwulst, wenn man auch 
nach Allem kaum hoffen konnte, die Kranke zu erhalten. Pat. wur 
de Behufs der Operation in eine passende Lage gebracht. Ein 
Gehiilfe musste die Bauchdecken oberhalb der Geschwulst nie- 
derdrücken, um dieselbe mehr nach aussen zu treiben und da 
durch die Fluctuation fühlbarer zu machen und dann stiess der 
Verf. ein grades Bistouri durch die Banchdecke hindurch in die 
Geschwulst. Nach Eröffnung floss sogleich eine Menge aashaft 
stinkender grauer Jauche hervor, wobei sich zugleich stinkende 
Darmluft mit knisterndem Geräusche und Blasenbildung entleerte. 
Der Yerf. hatte sich also in der Diagnose nicht geirrt. Gleich 
nach der Eröffnung klagte Pat. über die heftigsten Schmerzen, 
verrieth grosse Unruhe, der Puls war klein, fast verschwun 
den, Gesicht und Extremitäten kalt, kurz die Kräfte so zusam 
mengesunken, dass es schien, als würde Pat. den nächsten Tag 
nicht mehr erleben. Sie erhielt 15 Tropfen Laudan. und man 
legte auf die kranke Stelle warme aromatische Umschläge, um 
Verbesserung des Vitalitätszustandes in derselben herbeizuführen. 
Den 21. Die Nacht war sehr unruhig gewesen. Pat. hatte 
anhaltend gefiebert und vielen Durst und sehr heftige Schmer 
zen gehabt. Die Wunde war im Umfange rosenartig entzündet, 
die Oberfläche der Bauchdecken an der rechten Seite schmerz 
haft geröthet, der Leib aufgetrieben, bei der leiseten Berüh 
rung sehr schmerzhaft, der Ausfluss aus der Wunde bedeutend, 
eben so, wie Tags vorher, der Kopf schmerzte, die Zunge war 
belegt^und ® 9 fand sich Aufstossen und Uebelkeit ohne Erbrechen. 
Oeffnung war auch nach Klystieren nicht erfolgt, Abends stiegen 
alle Symptome. Den 22. Im Allgemeinen ging es w ie den Tag vor 
her. Leistengegend, Mittelfleisch, innere Oberfläche des Ober 
schenkels und rechte Schamlefze waren roth und aDgeschwollen und 
schmerzten sehr heftig. Da Exulceration hier voraus zu selten 
war, so machte man die aromatischen Umschläge auch auf diese 
Stelle, Pat. bekam wechselnd Hafergrütze und Salep. Den 
23. Die Nacht war unruhig, ohne Schlaf. In der Schenkel 
biegung fand man eine sehr schmerzhafte, hervorragende flu- 
ctuirende Geschwulst, nach deren Eröffnung Jauche abfloss und
	        
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