Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

56 III. Chirurgie und Opltfhalmologie. 
allgemeine Mattigkeit mit immerwährendem lästigen Gefühle in 
der rechten Darmbeingegend ein. Der Unterleib war in die 
ser Gegend gespannt, besonders nach dem Essen, es war, als 
sässe hier etwas fest, dahei nahmen die Kräfte immer mehr ab 
und zu den übrigen Symptomen kamen noch Mangel an Appetit 
und träger Stuhl. Dieser Zustand dauerte bis zum 11. Oct. 
wo sich die erwähnten Zufälle so verschlimmert hatten, dass 
Pat. nicht mehr ausserhalb des Bettes seyn konnte und ärztliche 
Hülfe suchen musste. Ein Arzt nahm Pat. in Behandlung und 
hielt das Uebel, da keine andere Veranlassung aufzulinden war, 
für krampfhaft - rheumatisch und verfuhr demgemäss. Da sich 
aber der besten Mittel ungeachtet Verschlimmerung der Zufälle 
zeigte und eine fühlbare, schmerzhafte Verhärtung an der an 
gegebenen Stelle des Unterleibs auf ein örtliches Leiden hindeu 
tete, so wurde der Verf. mit zu Rathe gezogen. A. fand Pat. 
im Bette, sie sah sehr blass und angegriffan aus, klagte über 
heftigen, festsitzenden Schmerz in der Darmbeingegend und über 
periodisch nachlassendes und wiederkehrendes Ziehen im Kreuze, 
das sich bis in die Schenkel hinab erstreckte. Pat. musste die 
Rückenlage beliaupteu, denn bei der geringsten Bewegung wur 
den die Schmerzen noch um ein bedeutendes heftiger. Bei Be 
sichtigung der erwähnten schmerzhaften Stelle sah man auf den 
ersten Blick nichts Krankhaftes, nur war sie gespannter als der 
übrige Leib. Der untersuchende Finger fühlte eine harte Ge 
schwulst in der Tiefe, die längs der Lage des M. Psoas ver 
lief. Die äussern Bedeckungen waren unverändert, nur wenig 
erhaben, dabei aber fand sich Taubheit des rechten Schenkels 
und Unvermögen ihn zu bewegen. Die geringste Bewegung 
und Berührung machte sehr heftige Schmerzen. Die Untersu 
chung durch Scheide und Mastdarm wies nichts Abnormes nach. 
Um nun den Entzündungsprocess in der Tiefe abzuschneiden 
und Zertheilung des etwa schon gebildeten zu bewirken, ver 
fuhr man, neben der allgemein antiphlogistischen Behandlung, 
auch örtlich durch Schröpfköpfe aut die leidende Stelle in die 
sem Sinne. Doch erreichte man damit keineswegs was man 
beabsichtigte. Die Symptome nahmen zu, die Geschwulst con- 
centrirte sich und man fühlte sie in der Tiefe ganz deutlich. 
Die Aponeuroseu der Bauchmuskeln waren straff angespannt, 
die einzelnen Fasern derselben aber getrennt, von einander ge 
drängt. Dazu kamen noch die Zeichen bedeutenden Ergriffen 
seins des ganzen Körpers, Niedergeschlagenheit, Kopfschmerz, 
völlige Appetitlosigkeit, belegte Zunge, Uebelkeit, Aufstossen 
ohne wirkliches Erbrechen, Kolikschmerzen, fortwährende Ver 
stopfung, anhaltendes Fieber, besonders starke Frostschauer, 
zusammengezogener, kleiner Puls, ein eigener Ausdruck im Gö- 
sichte und sehr heftige Schmerzen an der kranken Stelle des 
Unterleibs. Pat. klagte überdiess unaufhörlich, dass an den er 
wähnten Stelle etwas läge, was ihr das Herz abzureisseu drohe
	        
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