Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

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III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
Temporalis mittelst Tampons und Binde auf schwaches Aussi 
ckern von Blut und verordnete Potio stibiata nebst scharfen 
Cataplasmen auf die Schenkel. Pat. brachte aber den Verband 
in Unordnung, wodurch eine ihn sehr herunterbringende Hä- 
morrhagie entstand, die man jedoch durch dasselbe Mittel wie 
der stillte und ganz unterdrückte. Tags darauf war der Zu 
stand noch derselbe, der linke Arm beweglich, aber ganz ohne 
Empfindung. Man setzte die Mittel fort, w r enn auch nach Al 
len nichts als der Tod zu erwarten war. Nach einigen Wo 
chen trat indess die Besserung deutlich hervor, selbst die Em 
pfindlichkeit des linken Arms kehrte wieder: da war Pat. auf 
beiden Augen völlig blind. Nach 6 Wochen verlor sich aber 
bei Anwendung heftiger Hautreize auch diese Blindheit, die 
Wunde vernarbte und Pat. kann jetzt wieder einen Theil sei 
ner Geschäfte besorgen. [Zeit.se/ir. j. d. ges. 3Iedic. v. Dief- 
fenhach, Fric/se u. Oppenheim. Bd. I. Hft. 4. nach; Ga 
zette inedicale de Paris. 1836. Fern. Nr. 8.] 
18. Wegnahme einer bedeutenden Geschwulst 
von der Scapula; von Br. H. Earle. Ein 5Ijähriger 
Kammmacher kam am 10. Sept. 1835 wegen bedeutender Ge 
schwulst unterhalb des linken Schulterblatts in Behandlung des 
Verfs. Er wollte vor etwa 13 Monaten zuerst durch einen 
Schmerz auf die Geschwulst aufmerksam gemacht worden seyn, 
den er in der linken Schulter fühlte und der sich bis zum Arme 
hinabzog. Etwa 10 Wochen vorher, ehe er zu E. kam, be 
merkte er eine Anschw ellung unter dem Schulterblatte, die sich 
nach und nach vergrösserte und die jetzt so gross wie ein 
Straussei war. Die Geschwulst sass dicht unter der Scapula, 
erstreckte sich von der Basis derselben etwa 3 Zoll gegen die 
Proc. spinosi der Wirbelsäule und folgte jeder Bewegung jenes 
Knochens, mit dem sie offenbar in Berührung stand. Pat., der 
ziemlich gut gelebt hatte, konnte übrigens Arm und Schulter 
gebrauchen, wobei sich die Geschwulst frei auf der Oberfläche 
der Rippen hin- und herschob. Da die Hautbedeckungen der 
nicht fungös scheinenden Geschwulst gesund waren, die äussere 
Oberfläche der Scapula auch nicht gelitten zu haben schien, da 
endlich der Serratus anticus major, der, der Lage der Ge 
schwulst nach, dieselbe ganz umgeben musste, in seiner Ver 
richtung durchaus nicht beeinträchtigt war und daher wohl keine 
genauere Verbindung mit der Geschwulst eingegangen zu seyn 
schien, so entschloss sich E. zur Operation, die auch Pat. sehn 
lich wünschte. Ein halbmondförmiger Schnitt fing über der 
Spina scapulae an, umging die Basis der Geschw'ulst und endete 
unterhalb des untern Winkels der Scapula. Die Haut wurde 
gegen die Scapula losgetrennt und Trapezius und Rhoniboi- 
dei getrennt und zurückgeschlagen, worauf man die bedeutend 
ausgedehnten und über die Geschwulst gespannten Fasern des 
Serratus anticus sah. Auch diese wurden nahe an ihrer ln-
	        
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