Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

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UI. Chirurgie uud Ophthalmologie. 
macht hatte, war bedeutende Besserung nicht zu verkennen, 
namentlich wurden die lreien Zwischenräume immer länger, der 
Sopor gelinder, der Knabe schlug die Augen zuweilen wieder 
aut', bewegte sich oft, liess sich eher wieder Mediein beibrin- 
gen und fühlte äussere Reize wieder. Tags darauf ging es wie 
der etwas schlechter, man machte also die in der Nacht ausge 
setzten kalten Begiessungen wieder häufiger, worauf Pat. sich 
zusehends besserte. Nach, und nach verminderten sich alle Zu 
fälle und es trat allgemeiner Sclnveiss bei weicher, gedunsener 
Haut, vermehrter Abgang eines trüben, starken Bodensatz ge 
benden Urins, weicher, schnellerer Puls, reichliche dünne, braune 
Stühle und so allmählig die völlige Besserung ein. Unstreitig 
retteten hier die kalten Begiessungen den Kranken, da er be 
reits dem Tode so nahe war und da auf dieses Mittel es so 
schnell und auffallend besser ging. In mehreren derartigen Fäl 
len, hauptsächlich auch da, wo Th. zu spät gerufen wurde 
und wo das Leiden vom Stadium irritaiionis in das der Exsu 
dation übergehen wollte, oder schon übergegangen war, lei 
steten diese kalten Begiessungen, wozu der Verf. gewöhnlich 
noch Nitrum und Sal. ammoniac. setzt, sehr gute Dienste. 
Es ist daher gewiss der Mühe werth, dass man selbige, und 
namentlich bald und so lange unermüdet fortsetzt, als sich nur 
noch ein Funke zur Rettung zeigt. [Med. Corresp. - Blatt d. 
würtemb. urztl. Vereins. Bd. VI. Nr. 3.] 
III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
17. Fall einer mit Fr actura und Depressio 
Cranii complicirten Kopfwunde; Commotio cere- 
bri und Abstossung einiger Hirnsubstanz; Hei 
lung ohne Trepanation; von Br. M. Woiller. Diesen 
merkwürdigen Fall bot ein 60jähriger, schwächlicher Mann, 
den ein Pferd an den Kopf geschlagen hatte. Er war in Folge 
dieses Schlages bewusstlos geworden, erholte sich aber bald so 
weit, dass er, von Zweien unterstützt, nach Hause gehen 
konnte. Die Wunde war 21 Zoll lang, fing neben der rech 
ten Augenbraune an und setzte sich kreislinienförmig nach oben 
und hinten fort. Der Schädel war hier beträchtlich eingedrückt. 
Seit 2 Stunden ergoss sich viel Blut aus der Wunde, beson 
ders aus dem hintern Winkel. In der Wunde selbst sah man 
linsen- und erbsengrosse Theilchen, die sich als weisse Hirn 
substanz auswiesen. Leichte Betäubung ohne dass das Be 
wusstsein völlig verloren wär, geschlossene Augen, Unruhe im 
Bette, ungestörte Empfindlichkeit der Theile, ausser des linken 
gelähmten Armes, voller, weicher 70 — 80 Schläge machender 
Puls, gehörige Wärme und Respiration waren die günstigen 
allgemeinen Symptome. Das Nöthigste schien die bevorstehende 
Hirnentzündung zu verhüten. W; unterdrückte daher die Blu 
tung nicht ganz, sondern beschränkte sie durch Compression der
	        
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