Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

II. Materla medica und Toxikologie. 
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Theurer in Plieningen. Die von Heim und Formey vorge- 
sclilagenen kalten Begiessungen des Kopfes werden unbegreif 
licher Weise sehr oft bei Htjdrocephalus acutus versäumt, ob 
gleich sie oft noch das einzige Rettungsmittel sind, selbst wenn 
alles andere fruchtlos ist und zwar nicht nur in den frühem 
Perioden der Encephalitis, sondern auch im 2. Stadium dersel 
ben , wo man die Kranken meist für verloren hält Und also na 
mentlich in Fällen, wo die Krankheit nicht gleich erkannt, oder 
die Hülfe zu spät gesucht wurde. Sie müssen aber freilich kräftig 
angewendet und oft Tagelang fortgesetzt werden, wenn man 
günstigen Erfolg davon sehen will. Dem Verf. kamen schon 
ziemlich viele Fälle dieser Krankheit vor und er glaubt mit 
Gewissheit sagen zu können, dass er Mehrere fast allein durch 
dieses Mittel rettete. Ein neuerer Fall, in dem er früh 
gerufen und wo Alles, doch vergebens, von ihm angewen 
det wurde, um den entzündlichen Zustand zu heben und des 
sen Uebergang in den hydrocephalischen zu verhüten, bestimmt 
ihn, denselben näher zu bezeichnen, wobei sein Zweck nur 
der ist, zu diesen Begiessungen, selbst in den spätem Perioden 
der Krankheit, aufzumuntern und dieselben mehr in Erinnerung 
zu bringen. Der Fall ist nun folgender: ein 3jähriger, hart 
zahnender, sonst aber gesunder, blühender, aufgeweckter, gut 
gelaunter Knabe, der früher viel auf dem Kopfe schwitzte, 
verlor, als gerade der herrschende Krankheitscharacter der ent 
zündliche war und Ostwinde weheten und nachdem er schon 
längere Zeit zuvor trüben, molkenartigen Urin gelassen hatte, 
die frühere Heiterkeit, wurde mürrisch, unartig, bekam schwan 
kenden, unsichern Gang', wurde oft schwindlig, sah blass aus, 
hatte sparsamen Harn- und Stuhlgang, schlief viel und verfiel 
oft beim Spielen in einen schlummernden Zustand ohne wahren 
Schlaf. Zugleich griff er oft an die Nase und klagte zuweilen 
über Schmerz im Unterleibe. Der Puls war nicht rhythmisch. 
Unterdess gaben die Eltern den Knaben Warmmittel, da sie des 
sen Unwohlsein von Würmern ableiteten. Auf diese Jllittel 
aber ging es schlechter und nun wurde Th. gerufen. Dieser 
verordnete zuerst, da sich zugleich ein Status gastricus vorfand, 
eine kühlende, abführende Mixtur, fand aber schon beim nächsten 
Besuche, dass derselbe mehr auf dem genauen Consensus zwischen 
Gehirn und Unterleib beruhe und dass obige Symptome nur Vor 
läufer des bereits eingetreteneu Stadium irritationis waren. Die 
ses bildete sich allmählig unter den gewöhnlichen Zufällen aus, der 
Knabe wurde namentlich immer unruhiger, langte viel nach der 
Stirne, warf [den Kopf hin und her, die Conjunctiva der Augen 
wurde geröthet, die Augen selbst w aren sehr empfindlich gegen das 
Licht und balbgesclilossen, selbst im Schlafe, aus dem er oft a<|f- 
schreckte, beim Aufs9hreien bemerkte man den bekannten eigenen 
Ton, die Pupille war verengt, die Nase trocken und die Lippen 
bald rotli, bald blass. Hierzu kam Neigung zum Erbrechen und 
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