Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

506 III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
einer Liösung von Colophonium in Weingeist. Ein Verband 
der Art ist unveränderlich und D. hat ihn oft mehrere Monate 
liegen lassen, ohne dass er irgend Beschwerden hervorrief. 
Sollte etwas eintreten, dass man ihn entfernen müsste, z. B. 
anhaltende Schmerzen, so untersucht inan den Sitz, legt dann 
den Verband von Neuem an und arbeitet da, wo sich z. B. 
tiefe Excoriation fände, ein gehörig grosses Fenster im Ver 
bände aus, verbindet durch dieses die wunde Fläche bis zur 
Heilung und schliesst dann das Fenster durch ein Stück Heft 
pflaster und Auftragungen des Gypses. Wenn nun das Glied 
nach längerer Zeit eine fast normale Gestalt erhalten hat, legt 
D. bei schon herangewachsenen Rindern den letzten Verband 
an, mit dem sie uinhergehen können und wodurch ganz be 
sonders die gründliche Heilung bewirkt wird. Dies ist wieder 
ein Piflasterverband, zu dem folgende Theile gehören: 1) eine 
Filzsohle; 2) eine I! Zoll breite, vom Knie bis zur Sohle rei 
chende dünne Holzschiene; 3) Pflasterstreifen; 4) eine .4 El 
len lange, 14- Zoll breite Binde; 5) eine Lösung von Colopho- 
nium: 1 Drachme auf 1 Unze Weingeist. Die auf einer Seite 
dünn mit Heftpflastermasse bestrichene Sohle wird an die Flä 
che de« Fusses angeklebt; dann legt man das Ende eines brei 
ten Heftpflasterstreifens auf die Mitte des Fussrückens, steigt 
über den innern Fussrand hinab, geht quer über die Milte der 
Filzsohde fort, wendet sich etwas nach hinten, steigt vor dem 
äussern Knöchel zur äussern Seile des Unterschenkels in die 
Höhe und endet die Tour in der Höhe der Wade. In der 
nämlichen Richtung werden vom äussern Fussrande noch 2 Pfla- 
sterstreifen, einer mehr nach vorn, der andere weiter nach hin 
ten angelegt. Dann befestigt man diese Streifen und die Sohle 
noch mehr durch einige Spiraltouren um Fuss und Wade, bis 
das Glied bis zum Endpuncte der ersten Pflasterstreifen völlig 
eingewickelt ist und von natürlicher Gestalt erscheint. Hierauf 
folgt nun die Anlegung einer Schlinge und der Schiene: ein 
langer 11 Zoll breiter Heftpflasterstreifen wird mit seinen bei^ 
den Enden, die einander zur Hälfte der Länge nach decken, 
an die innere Seite des Unterschenkels angeklebt. Das untere 
Schlingenende geht über die Sohle fort bis noch an den äussern 
Fussrand; unter der Sohle wird es noch angeklebt und das äus- 
serste Oehr bleibt frei. Durch diese Oehse steckt man das un 
tere Ende der Schiene, die am Rande 2 tiefe Kerben hat, in 
die sich das Oehr des Pflasterstreifens legt; das andere nach 
oben gerichtete freie Ende der Schiene steht noch mehrere Zolle 
von der äussern Wade ab. Die Schiene wird nun airgedriickt 
und inan befestigt sie mit oben ums ganze Glied herumgeführ 
ten Pflasterstreifen. Dann legt man sorgfältig die Binde um 
den ganzen Verband an, beginnt mit dem Fusse, steigt am 
Gliede in die Höhe und endet unter der Kniebeuge mit Zir- 
keltourcn. Die Bindentouren heftet man mit Nadeln und Fäden 
an einander. Um die Festigkeit des Verbandes bedeutend zu
	        
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