Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

496 III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
da, ermunterte sich jedoch auf wiederholtes Fragen so weif, 
dass er sagte: er sei blind und die Frage, ob er einen Geist 
lichen verlange, mit Ja beantwortete. Der Verf. beschloss hier 
sofort zu trepauiren. Während das Ndthige dazu eingerichtet 
wurde, liess er noch einen Aderlass machen, der aber fast kein 
Blut gab. Mittelst zweier Kronen und der Serra versatilis 
wurden dann II zerbrochene und eingedrückte Knochenstücke 
herausgefördert, deren eins, welches der Glastafel angehörte, 
4- Zoll weit zwischen Schädel und Dura tnaler gedrungen war. 
In letzterer fand sich eine gerissene OelFnung von 7 Linien Um 
fang, durch die zerquetschte Hirnmasse hervorstand. Extravasat be 
merkte man nicht. Nach Reinigung der Wunde und Bedeckung 
derselben mit einem in Oel getauchten Schwaminstiickchen er 
hielt der Operirte heben kalten Fomentationen auf den Kopf 
und wiederholten reizenden Klystieren stündlich 2 Esslöffel einer 
Lösung von Glaubersalz und Salpeter in Arnicaaufguss. Gleich 
nach der Operation war die Sprache sicherer und das Bewusst 
sein freier, doch konnte Pat., bei sehr erweiterten Pupillen, 
durchaus nicht sehen. Am 7. Sept. Morgens trat nach einer 
ziemlich ruhigen Nacht am Morgen Erbrechen mit Ausleerung 
vieler gallichten Stühle ein. Abends fieberte Pat., nur halb 
bei Bewusstsein, mit einem Pulse von 88 Schlägen und verrieth 
heftige Kopfschmerzen. Man setzte an den Kopf 30 Blutegel 
und gab, doch ohne hinreichende Wirkung, wiederholte Kly- 
stiere. Mit der abführenden Mixtur und den kalten Fomenta 
tionen wurde fortgelahren. Die Nacht zum 8. war unruhig, 
am Tage aber das Bewusstsein klarer und die Sehkraft fing an 
zurückzukehren. Da Pat. klagte, dass die Foinentation ihn 
drücke, wurde sie mittelst einer, hinten aus Kopfkissen befe 
stigten, das Wasser enthaltenden Blase angewendet. Nach 
wiederholten Klystieren traten reichliche Stuhlausleerungen ein, 
doch hörte der Kopfschmerz nicht auf, weshalb man wieder 
12 Blutegel setzte und ein Abführmittel gab. Die Wunde fing 
an feucht zu w'erden und nach Eiter zu riechen. Die folgende 
Nacht war unruhig, am 9. Morgen aber Bewusstsein und Seh 
kraft ganz zurückgekehrt. Bei Abnahme des ersten Verbandes 
zeigte sich Eiter, doch drang aus der Tiefe der sehr übelriechen 
den Wunde Hirnmasse hervor, w eshalb man über das Scliw amm- 
stiiek ein mit Chlorkalklösung befeuchtetes Läppchen legte. 
Mit der abführenden Mixtur und den Fomenten fuhr man fort. 
Das Fieber w ar Abends mässig. Am 10. war der Operirte, 
nach ziemlich ruhiger Nacht, ohne dass der Wärter es gesehen, 
aufgestandeu und ans Fenster getreten. Kurz darauf hatte er 
Kopfweh und Unwohlsein bekommen. Man erneuerte den Ver 
band, wie Tags vorher, und legte 15 Blutegel an. In der 
Nacht zum 11. fanden sich leichte Delirien, die aber nach meh 
reren Stuhlausleerungen durch Klystiere aufhörten. Am Tag e 
war Pat. fast fieberlos. Die Fomentationen blieben weg und
	        
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