Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

III. Chirurgie uud Ophthalmologie. 
493 
fang zum Vorschein kam, die am obern Winkel merklich ein 
gedruckt war. Ehe der Verf. die ihm sofort als nöthig er 
scheinende Trepanation vornahm, liess er noch einen Aderlass 
machen und ein Klystier mit Essig geben. Natrum-Solution, 
die man dem Verletzten einflösste, brach er gleich wieder aus. 
Durch 2 grosse Kronen entfernte S. das fissurirte und einge 
drückte Schädelstück, worauf er noch einige Fragmente der in- 
nern Lamelle, die zwischen Cranium und Dura mater einge- 
drungen waren, mittelst Pincette entfernen musste. Die harte 
Hirnhaut ragte nun ziemlich stark in die Trepanöffnung herein 
und deutliche Fluctuation liess unter ihr flüssiges Extravasat ent 
decken. S. entleerte dasselbe durch 2 isolirte, von einander 
möglichst entfernte, etwa J Zoll lange Incisionen in die Dura 
■mater, wobei etwa 2 Theeloffel flüssigen Blutes hervorkamtn 
und die Geschwulst zusammensank. Nach gehöriger Reinigung 
bedeckte er die Wunde mit einem in Oel getauchten Schwamm- 
stückchen, verordnete wiederholte Klystiere, kalte Fomente auf 
den Kopf, alle 2 Stunden 4 Gran Kalomel, wechselnd mit Glau 
bersalzauflösung und iiberliess den Kranken der Ruhe. Dieser 
war noch ohne Besinnung, erbrach sicli aber nicht mehr, hatte 
über 60 Pulsschläge und schlief die Nacht ziemlich ruhig. Den 
I. Sept. erfolgten zahlreiche, vom Verletzten nicht angemeldete 
Stuhlausleerungen, sonst war der Zustand unverändert. Aus 
der Wunde sickerte etwas Blut aus. Den 2. Sept. äusserle Pat. 
einige Besinnung und gab an, dass er auf dem linken Auge 
nicht sehe. Der Puls hob sich gegen Abend auf 90 Schläge 
und es trat fieberhafte Reaction, docli ohne deutliche Hirnafle- 
ction ein. Das Kalomel wurde fortgesetzt. Den 3. war die 
Besinnung ganz wieder zurückgekehrt, das Fieber massig und 
die Wunde begann zu eitern. Wegen zu reichlicher Stühle 
wurde das Kalomel ganz ausgesetzt. Am 7. Sept. war das 
Fieber völlig vorüber, das Sensorium ganz frei, das linke Auge 
aber war und blieb in Folge der durch Erschütterung entstan 
denen Lähmung des Sehnerven amaurotisch und der Operirte 
wurde irn März 1832 wegen Blindheit des Auges und Unfähig 
keit, die militärische Kopfbedeckung zu tragen, zum Invaliden 
erklärt und übrigens ganz gesund in seine Heimath entlassen. 
’— II. Ein 23jähriger gesunder und kräftiger Infanterist wurde 
am 6. Sept. 1829 von dem bleiernen Regenpfropf eines losge 
henden Gewehrs an den Hinterkopf getroffen. Der Pfropf, 
grösser und schwerer als eine Kugel, aber platt, schlug auf 
die Schnalle des Tschako’s und trieb diese rechts über der Pro- 
luberantia occipiiulis externa ins Hinterhauptbein. Aus der 
M unde war eine wohl an 3 Pfund betragende Blutung erfolgt, 
auch Gehirn vorgedrungen. Als man ihn ins Spital gebracht 
hatte, lag er mit kühlen Extremitäten, blassem Gesicht, klei 
nem, kaum fühlbarem Pulse von 50 Schlägen, öfteren Vomitu- 
ntionen, starren etweiterten Pupillen, erschöpft und somnolent
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.