Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

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III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
Hätte der Verwundete nicht durch Innern Gram und Uebermaas 
geistiger Getränke seinen Tod beschleunigt, so würde er unstrei 
tig älter geworden sejn. [v. Grüfe's und v. Wdltlier’a Journ. 
d. Chirurg, u. Ahgenhellic. Bd. 24. HJ't. 1.] 
236. lieber die Trepanation; vom Regimentsarzte Dr. 
Sommer in Coblenz. In dem schon lange unentschiedenen 
Streite über NcthWendigkeit und Nutzen, oder Entbehrlichkeit 
der Trepanation haben sich unter den Deutschen wieder mehrere 
Stimmen erhoben, die „wegen des in der Kegel ungünstigen 
Erfolgs dieser undankbaren Operationdieselbe aus der Pra 
xis so gut als ganz verbannen zu wollen scheinen. Einem so 
warnenden Ausspruche, nach dem fast jede Kopfverletzung als 
JXoli vte tangere erscheinen würde, dürfte, in so fern er sich 
meist blos aut einzelne Fälle basirt, allgemeine Gültigkeit nicht 
einzuräumen seyn, denn nicht selten kommt der einzelne Practiker 
nach einer Reihe von eignen Erfahrungen oder fremden, die ihm 
zunächst liegen, dahin, dieser oder jener Operation mehr und 
mehr zu misstrauen, eine andere besonders in Schutz zu neh 
men und sein Urtheil dann von andern Collegen widerlegt zu 
sehen. Es würde deshalb Velpeau’s Preisschrift über die Tre 
panation, wenigstens in Deutschland, als ganz zeitgemässe Apo 
logie dieser Operation zu betrachten sein, wenn sie für die, 
welche die klassischen Arbeiten von Schmucker, Richter, 
Mursinna, Louvrier, Hennen, v. Eichheimer, Rust, v. 
Gräfe, v. Walther, S. und A. Cooper, Abernethy, Du 
puytren, Larrey u. A. kennen, viel Neues und in Hinsicht 
der Anzeigen und Gegenanzeigen der Trepanation nicht manche 
Widersprüche und viele Dunkelheiten enthielte. — Da der 
Verf. die Absicht hat, diesen Gegenstand genauer zu bespre 
chen , so schickt er eine' R^ihe von Fällen aus seiner eigenen 
Beobachtung voraus, wo Kopfverletzungen theils mit, theils 
ohne Trepanation behandelt w urden und wo die Erfolge sämmt- 
lich für diese so sehr angefochtene Operation sprechen: 1) Ein 
26jähriger Trainsoldat erhielt am 31. Aug. 1831 einen heftigen 
Hufschlag an die linke Ssite der Stirn, stürzte zu Boden, blieb 
besinnungslos liegen, blutete aus der Nase und Ohren und er 
brach sich heftig. Nach kräftigem Aderlässe wurde er ins 
Spital gebracht, wo ihn S. ganz bewusstlos, mit weichem klei 
nem Pulse von 48 Schlägen in der Minute, schnarchendem Athem> 
und kühlen Extremitäten fand. Der rechte Arm hing wie ge 
lähmt herab, rechte Orbitalgegend und rechtes'Auge waren be 
deutend sugillirt und beide Pupillen sehr erweitert: es erfolgte 
wiederholtes Erbrechen und aus der stark, aufgetriebenen Blase 
wurde mit dem Catheter viel Harn entleert. An der linken 
Seite des Stirnbeins, 3 Zoll über den Arcus superciliarls, sah 
man eine Beule, so gross wie ein halb durchschnittener Apfel, 
mit einer, bis auf den Knochen gehenden Quetschwunde, nach 
deren Erweiterung eine sternförmige Fissur von lj Zoll Um-
	        
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