Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

I. Pathologie, Therapie und raedicinische Klinik. 471 
Alle 2 Stunden 1 Stück. Den 20. April war Pat. bei sich, 
sprang aber von einem Gedanken auf den andern. Abends 
sagte sie, dass sie am nächsten Tage sterben werde und wirk 
lich war der 21. der Tag ihrer Auflösung. Die Nacht war 
ganz schlafloss, doch ruhig und schmerzlos vergangen, nachdem 
Unruhe und heltiger Schmerz den Abend vorher häufige Gaben 
Opium verlangt hatten. Am Morgen bekam sie Röcheln, hatte 
schnellen, unregelmässigen Athem, kaum zählbaren, winzigen 
Puls, ins Blaue scheinende Röthe der Wangen und vom Mit 
tage an keine Sprache mehr, was sie, da sie völlig bei sich 
War, sehr betrübte. Das Schlucken wurde höchst schwierig, 
und doch war der Drust sengend. Man liess sie daher an einem 
Schwamm saugen, was gierig geschah. Sie hustete immer 
wehr und brachte zähen Schleim in Masse bis zum Halse, von 
wo er, da sie ihn nicht ausspeien konnte, von Andern entfernt 
werden musste. Gegen Abend nahm das Röcheln zu, das Ge 
sicht verlor sich, Unruhe und Schmerz hörten auf und um halb 
U Uhr Abends verschied sie endlich. — Bei der Section am 
23. zeigten sich bedeutende Spuren von Verwesung. Die kranke 
Brust war um die Hälfte und noch mehr eingefallen, die An 
schwellungen der Achseldrüsen hatten sich vermindert, die der bei 
den Weichen sehr verkleinert, linker Oberschenkel und linkes 
Labiutn majus vulvae waren nicht mehr so aufgetrieben und 
die Leiche nicht sehr abgemagert. Als man die Bauchhöhle 
öffnete, fiel die bis über den Magen ganz in die linke Seite 
ragende grosse Leber auf, doch sah dieselbe gesund ans. Im 
Mesenterium des Colon transversum sass ein erbsengrosses, 
schwarzes, eine theerartige Masse enthaltendes Knötchen. 
Die Milz war sehr gross, aber sonst gesund, eben so waren 
Nieren, Blase, Pancreas, Magen und Därme gesund. Der Ute 
rus hatte eine jungfräuliche Grösse und sonderte Eiter aus, der 
seinen Heerd im rechten Ovarium hatte. Auf dem Fundus Uteri 
rechts sass eine taubeneigrosse, steinharte, speckartige Sackge 
schwulst, die sich wie Knorpel zerschneiden liess, überall gleich 
hart und fest war und keinen Eiter enthielt. Die Lungen w r a- 
ren angewachsen und enthielten etwas Wasser. — Bei der 
Section verletzte sich Wundarzt Bardseher mit einem Haken 
den linken Mittelfinger an der Spitze sehr unbedeutend, als er 
den Uterus herausschnitt. In der Nacht darauf bekam er an 
demselben starke Geschwulst, pulsirende Congestion, grosse 
Hitze und unerträgliche Schmerzen, so dass er gar nicht schlafen 
konnte, sich Blutegel ansetzen und kalte Fomentationen machen 
musste. Nach Bildung eines Eiterpiinctchens verloren sich am 
3. Tage die Beschwerden. [Htifeland’s Journ. d. pract. Heilk. 
1836. FebrJ] 
223. Ueber entzündliche Diathese des Blutes der 
Syphilitischen, und über eine besondere Beziehung 
des venerischen Giftes zu den Geschlechtstheilen;
	        
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