Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

466 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
October v. J. schickte sie zuerst zu D. Sie hatte Magendrü 
cken und eine stark belegte Zunge, litt an Uebelkeit, freiwil 
ligem Erbrechen, Kopfschmerz, Schwindel, Beängstigung und 
fieberte. D. erkannte Sordes in den ersten Wegen, vorzüg 
lich im Magen und gab ein Brechmittel, das hinterher abführte. 
Den folgenden Tag ging es viel besser, und ein Pulver aus 
iVatr. carb. acid. Sal. esscnt. lart. und Sacch. alb. und spä 
ter Pot. River. Eli.v. visc. Hoffm. Tinct. siomach. Lentrni 
stellten sie nach mehreren Tagen ganz wieder her. Schon in 
den ersten Tagen sagte dem Verfasser die Schwester beiim 
Weggehen, dass Pat. schon lange in der linken Brust eine 
harte Geschwulst habe, die sie ängstige und die er gelegent 
lich untersuchen möchte, wenn sich ein Vorwand dazu fände, 
da ihre Schwester sehr schamhaft sey. D. versprach dies zu 
thun, wenn er mit ihr bekannter geworden sey und als sie 
am 5. Nov. über Schmerzen in der linken Brust klagte, fühlte 
er diese erst durch die Kleidung an, und dann liess er sich 
dieselbe zeigen. Er fand eine steinharte, unebene, hügeligtt 
Geschwulst am obern Theile dieser Brust von der Grösse einer 
Kinderfaust, die beim festem Drücken schmerzte und worin sie 
bisweilen sehr empfindliche, spontane, flüchtige Stiche verspürte. 
Wenn dieselbe entstanden, wusste Pat. nicht genau, doch meinte 
sie, dass es wohl einige Jahre her seyn könnte. Sie erinnerte 
sich wenigstens vor langer Zeit einen von selbst und unmerk 
lich entstandenen unschmerzhaften Knoten in dieser Brust zufäl 
lig bemerkt zu haben, den sie jedoch, da sie immer ganz wohl 
gewesen, nicht beachtet hatte. Nach etwa einem halben Jahre 
war derselbe ihr grösser vorgekommen. Vor einem Jahre hatte 
sie die Brust einem Arzte gezeigt, der ihr eine Salbe gab, von 
der sie aber nur einmal einrieb, da sie glaubte, dass ihr die 
selbe nichts hellen könne. Ausserdem Mar nichts dagegen ge 
schehen. Eine spezielle Veranlassung liess sich nicht auffinden, 
ihre Mutter aber war an cancer uteri gestorben. Es lag also 
erbliche Disposition vor und gelegentliche ursächliche Momente 
mochten: verfehltes Leben, Grain über den Tod des Mannes, 
Gemüthsbewegungen und Eingezogenheit seyn. D. verordnete 
Blutegel und eine Einreibung 2mal täglich von 1 Theile Kali 
hydrojod. und 10 Theilen Fett. Die Geschwulst wurde schmerz 
halter, grösser, am untern Theile weicher. Nach einiger Zeit 
traten Magenbeschwerden und Appetitlosigkeit ein. Im Gedan 
ken klagte der Verf. schon die Jodine an. Doch verloren sich 
diese Erscheinungen bei unausgesetzter Einreibung bald und 
Pat. fühlte sich recht wohl. Die Geschwulst schien nun ab 
zunehmen und weniger steinhart zu seyn, schmerzte aber häu 
figer und heftiger. Am 19. Nov. hatte sich der Total-Umfang 
der ganzen Brust vergrössert; die Consistenz des obern Tlieils 
schien weniger steinhart und die flüchtigen Stiche wechselten 
in Wiederkehr und Heftigkeit. D. glaubte auf jeden Fall bei
	        
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