Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

432 IV. Chirurgie und Ophthalmologie. 
dass ein Bruch besteht, wenn Pat. nach 10 — 12 Tagen noch 
immer nicht das Glied im Ganzen aufzuheben vermag. Besteht 
die Fractur nicht, so wird der Kranke, nach Verschwinden 
der Reizzufälle, das Glied gestreckt aufheben können. Dass 
dein jedoch nicht immer so ist, geht aus dem zweiten der vom 
Verf. obenangeführten Fälle hervor. 3) Lebhafter Schmerz 
am obern Theile des Schenkels, besonders in der Weiche. 4) 
Unmöglichkeit zu gehen oder zu stehen; oder wenigstens grosse 
Beschwerden dabei. 5) Verkürzung der Extremität, sollte die 
selbe auch noch so unbedeutend seyn. Boy er war der Mei 
nung, dass wenn auch gleich nach dem Ereigniss keine Ver 
kürzung stattlinde, bei Fractur die Extremität doch sich bald 
verkürze uud nach aussen falle, finde sich aber keine Fractur 
vor, so behalte das Glied die natürliche Länge und Richtung. 
— Was die Zeichen anlangt, die eine Fractur des Schenkel 
halses mit Einsenknng in die spongiöse Masse des grossen Tro 
chanters vermuthen lassen, denn völlige Gewissheit kann man 
im Leben nicht erhalten, so sind es, ausser den Umständen, 
die den Verdacht einer Sohenkelhalsfractur überhaupt erregen, 
nach Ekl, Fr icke und dem Verf. folgende: 1) die Extremi 
tät ist verkürzt, die Verkürzung ist aber stets unbedeutend, 
weil das in die Masse des Trochanters eingetriebene Ende des 
abgebrochenen Halses verhindert, dass die Muskeln den ganzen 
Trochanter nach oben ziehen können. Die Verkürzung ist näm 
lich gleich der Differenz des Winkels, den das Mittelstück mit 
dem Halse vor der Fractur bildete, von dem, den diese Theile 
jetzt, nach Eintreibuug des Halses in die Masse des Trochan 
ters, bilden. Der erstere Winkel ist ein stumpfer, der letztere 
ein fast oder vollkommen rechter. Aus demselben Grunde kann 
auch der verkürzten Extremität durch Extension die natürliche 
Länge nicht wiedergegeben w erden. Scheinbar grössere Ver 
kürzung kann durch Aufsteigen der Hüfte an dieser Seite Vor 
kommen , die sich daran erkennen lässt, dass der Kamm des 
Darmbeins an der leidenden Seite höher steht, als an der gesun 
den. 2) Die Extremität fällt nicht nach aussen, oder hat nur 
wenig eine Richtung nach aussen, weil das in der spongiösen 
Masse des grossen Trochanters steckende Ende des Halses ver 
hindert, dass die Adductoren und hintern Rollmuskeln das Schen 
kelhein um seine Längenaxe drehen. Nach Ekl kann die Ex 
tremität sogar etwas nach einwärts stehen, was jedoch H. nie 
sah. 3) Pat. kann gewöhnlich das Glied durch eigene Muskel 
kraft desselben nicht nach aussen rollen und abduciren, selbst 
wenn er noch stehen oder gehen und die Extremität im Ganzen 
aufheben könnt#, weil beide Insertionspunktc der hintern Roll 
muskel und der Abductoren (die 3 Glutaei) durch Eindringen 
des abgebrochenen Halses in die Masse des grossen Trochan 
ters einander widernatürlich genähert und diese Muskel somit 
erschlafft sind. 4) Einwärts kann Pat. jedoch das Glied, w enn
	        
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