Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

III. Materia medica und Toxikologie, 
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bis die Stühle breiigt werden. Bleiben nach der Kur noch be 
legte Zunge, Sodbrennen, Hitze oder Ausschlag in und am 
Munde, Jucken oder Schmerzen im After etc. zurück, so hilft 
ein kühlendes Laxans, zweckmässige, leicht verdauliche, zwar 
nahrhafte, doch nicht reizende Diät, Waschen des Orificium 
ani und der Geschlechtstheile mit kaltem Wasser etc. Zuwei 
len färben die Cubeben den Ausfluss dunkel, röthlich und ge 
ben dem Urin einen eigenen, Cubeben ähnlichen Geruch, oder 
rufen Brennen und Jucken im After oder in der Fossa navlcu- 
laris hervor, doch stört dies Alles nicht ihren Fortgebrauch, 
Wenn man nur für regelmässige und hinreichende Oefl'nung 
Sorgt. — Vor dem Copaivabalsam haben die Cubeben den gros 
sen Vorzug, dass sie die Verdauungsosgane nicht angreifen, 
was jener so leicht thut, sondern dass sie vielmehr stärkend, 
jAppetit erregend, vermehrend wirken, vorausgesetzt, dass man 
sie nicht in zu grossen Gaben reichen muss, dass sie sich w y eit 
angenehmer, als jener, nehmen lassen, und dass sie bei laxen, 
zur Verschleimung und zu Magenbeschwerden geneigten Sub 
jekten zugleich auch gegen dieses Uebel sehr wohlthätig wir 
ken. B. lässt übrigens die Tripperkranken das Glied stets in 
reine Leinwand gehüllt tragen und oft in lauem Wasser, Milch 
oder Mandelöl baden. Ein Suspensorium lässt er nur bei sehr 
heftiger Entzündung, oder w enn langes Stehen oder Gehen nicht 
Vermieden werden kann, benutzen. Wenn nach heftigen oder 
langwierigen, vernachlässigten Gonorrhöen noch zuweilen, be 
sonders Morgens, ein oder einige Tropfen einer weisslichen 
Flüssigkeit sich im Orificio urethrae zeigen und den Kranken be 
unruhigen, hat B. oft einige Einspritzungen mit Acet. saturn. 
Tinct. opii croc. oder mit Zinc. sulph, Plumb. • acet. Acid. 
acet. Acid. ni/ric. etc. w irksam gefunden. Oft ist er aber dazu 
mehr um den Kranken zu beruhigen, als aus Ueberzeugung ih 
rer Wirksamkeit oder Nothwendigkeit genöthigt gewesen. — 
Gegen nicht venerische Leucorrhoe hat er die Cubeben oft ver 
sucht, aber nie nützlich gefunden. Jm nicht mehr entzündli 
chen Stadium wirken sie zwar zuweilen ziemlich gut, reichen 
aber doch selten oder nie zur radicalen Heilung hin. Hier 
müssen äussere adstringirende Mittel zur Hülfe genommen wer- 
I den. Gegen fehlerhafte Verdauung von Magenschwäche und 
Neigung zur Verschleimung bei laxen, aufgeschwemmten Subjek 
ten leisten die Cubeben mit Magn. carb. oft gute Dienste, doch 
erreicht man denselben Zweck auch durch andere Mittel. Die 
Cubeben erhalten also ihren eigentlichen Werth nur durch ihre 
günstige Wirkung gegen Gonorrhoe, wo B. nach seinen Erfah 
rungen dieses Mittel für wirkliche Bereicherung der Materia 
medica ansehen muss. — Bei einer bejahrten Dame,, die seit 
einem halben Jahre nach einem apoplectischen Anfalle an halb 
seitiger Lähmung und mangelnder Urinabsonderung, wahrschein 
lich von Lähmung der Nieren, litt, wendete B., als er diesen 
SuinmariuDi d, Medicin. 1836. II. 27
	        
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