Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

414 III. Materia medica und Toxikologie. 
allemal eine heftige Erschütterung durch den ganzen Körper, so 
dass Pat. nicht mehr als 3- oder 4maliges Oeffnen und Wie- 
derschliessen der Kette ertrug. Man wiederholte dies einen 
Tag um den andern — im Ganzen 6 oder 8 Mal — doch ohne 
allen heilsamen Erfolg, weshalb der Verf. ganz davon abstand. 
Nach 3 oder 4 Monaten starb Pat. plötzlich in Folge eines neuen 
apoplectischen Anfalls. Bei einer jungen Frau mit Ascites und 
Anasarca, die ebenfalls schon viele und durchaus zweckmäs 
sige Mittel von einem andern Arzte bekommen hatte, machte 
B. nach und nach einige und zwanzig Einstiche mit der Acu- 
punkturnadel an den starkgeschwollenen Unterschenkeln und ent 
leerte dadurch in 14 Tagen eine ansehnliche Menge Wassers. 
Doch die Wunden schlossen sich meist nach 2 Mal 24 Stun 
den wieder und sonach konnte die Ausleerung nie hinreichend 
werden. Dasselbe galt von den nun versuchten Scarifikationen 
der Unterschenkel. Ueberdiess war das Einstechen der Nadeln, 
was sich kauin erwarten liess, sehr schmerzhaft. B. machte 
daher bald die Paracentese, w odurch sehr viel milchartige 
Flüssigkeit entleert und Pat. radical geheilt wurde. Es hat sich 
nämlich bis jetzt 7 Jahre nach der Operation, noch kein Biick- 
fall eingestellt. Besser wirkte die Acupunktur bei einer 28jäh- 
rigen, robusten , verheiratheten Blondine, die mehrere Kinder 
kurz hinter einander geboren hatte und zwar so, dass sie je 
desmal schon wieder schwanger wurde, während sie noch das 
letzte Kind stillte. Auch jetzt hatte sie das jüngste 6 Monate 
alte Kind an der Brust. Seit lj Jahren litt sie an einer Art 
epileptischen Zufalls. Dieser trat nämlich plötzlich mit äusserst 
heftigem Kopfschmerze ein , der nach und nach so stieg, dass 
hefiige Krämpfe durch den ganzen Körper enstanden und Pat. 
das Bewustseyn verlor, aus welchem Zustande sie dann zwar 
mit grosser, noch einige Tage anhaltender Schwäche, doch sonst 
ohne alle Beschwerden erwachte. Bisweilen traten solcher An 
fälle zwei in der Woche ein, häufiger aber wurde das Uebel 
nicht so heftig, sondern beschränkte sich auf sehr heftiges Kopf 
weh, das von 6, 8 bis zu 24 Stunden währte. Je länger sie 
einmal von diesem Kopfschmerzen, oder Anfällen frei war, je 
sicherer konnte sie darauf rechnen, dass der nächste Anfall sich 
sehr heftig gestalten würde. Zuweilen trat auch der Schmerz 
5 oder 6 Tage hintereinander früh um 4 oder 5 Uhr ein und 
währte bis 12 Uhr Mittags, dann aber verschwand wieder 
alle Spur von Regelmässigkeit. Pat. hatte schon von mehreren 
Aerzten die mannigfaltigsten inneren und äusseren Mittel bekom 
men, und nachdem auch B. einige Zeit vergebens die ihm am 
passendsten scheinenden versucht hatte, führte er, als geradö 
einmal der Schmerz recht unerträglich wurde, eine feine stäh 
lerne Acupunkturnadel etwa 1 Zoll tief in schräger Richtung 
sehr langsam ein und liess derselben nach einigen Minuten eine 
zweite folgen. Da sich der Schmerz gewöhnlich da, wo die
	        
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