Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

412 III. Materia inedica und Toxikologie. 
höchst übelriechende Stühle., Pat. hatte dasselbe Mittel bei 
ähnlichem Uebel noch mehrmals und immer mit dem besten, 
raschesten Erfolge genommen. — Weniger passend, als in den 
genannten Fällen, wenn auch nicht ganz zu verwerfen, ist das 
Crontonöl bei starken, blutreichen Subjecten, wo man durch 
den Darmkanal kräftig von andern Theilen ableiten will, z. B. 
bei Augenentzündungen, Kopfschmerzen etc. Für unpassend 
und schädlich aber hält es der Yerf. in allen Fällen, wo ein 
gereizter oder gar entzündlicher Zustand des Magens und Darm 
kanals zugegen, oder nur zu fürchten ist. Ueberhaupt ist es 
bei reizbaren Subjecten schädlich, also auch durchaus bei ein 
geklemmten Brüchen, wogegen es Einige empfohlen haben. 
Die alten Abführmittel scheinen daher durch das Crotonöl kei 
neswegs ersetzt oder weniger werthvoll geworden zu seyn. Als 
die beste Form es anzuwenden, hat sich dem Verf. die der 
Pillen bewährt, z. B. Rec. Ol. Crot. Ti gl. gtt. ij. ter. c. Mu- 
cil. G. Mimos. -}j. add. Extr. Liquir. q. s. ut J. pilul. Nr. 
viii. D. S. Alle ^—4- Stunde 1 Pille bis zur Wirkung. Auch 
mit Ol. Amygd. (1—2 Tropfen auf 1 Unze Ol. amjgd.) zu 
1 Esslöffel alle halbe oder ganze Stunden wirkt es ziemlich 
milde, weshalb man diese Mischung mehrfach als Substitut des 
Ol. Ricini empfohlen hat; doch würde B. Letzterem, da es 
•weit milder wirkt, in vielen Fällen , z. B. bei reizbaren 
Wöchnerinnen , durchaus den Vorzug geben. In Mixtu 
ren nimmt sich das Crotonöl, wenn man auch noch so viel 
schleimige und einhüllende Mittel zusetzt, lange nicht so ange 
nehm, als in Pillen, macht auch weit leichter Uebelkeit, Bren 
nen im Schlunde und Erbrechen. Mehr als 2, höchstens 3 Tro 
pfen darf man zu einer Abführung nicht nehmen. Wo diese 
nicht wirken, war das Mittel entweder nicht echt oder gar 
nicht angezeigt. Neuerlich ist das Crotonöl gegen Bleikolik 
empfohlen worden, doch muss man bedenken, dass bei dieser 
Krankheit Wiederanregung der Leibesöffnung keineswegs die 
einzige Anzeige ist und dass man es daher wohl nur mit gros 
ser Vorsicht weiter dagegen versuchen darf. — III. Acupun- 
ctur. Auch sie gehört zu den neuern Mitteln, die ihren mit 
grossem Geschrei bekannt gemachten Nutzen gegen alle mögli 
che Krankheiten keineswegs bewährt haben, sei es nun, dass die 
europäischen Aerzte sie nicht gehörig zu verrichten wissen, oder 
dass sie den europäischen Körpern überhaupt nicht zusagt. Wo und 
wenn zeigt sie sich jetzt noch als irgend sicheres oder bedeu 
tendes Heilmittel? Wer hat irgend Resultate von Wichtigkeit 
durch sie erlangt und welche Krankheiten kann man mit irgend 
einiger Sicherheit durch sie heilen? Dem Wissen und der Erfah 
rung des Verfs. nach dürfte es schwer halten, diese Fragen ge 
nügend zu beantworten. Zwar lindert sie in krampfhaften und 
rheumatischen Uebeln zuweilen den heftigen Schmerz im Augen 
blick , doch w ie selten heilt sie ihn radical! Bald kehrt er zu-
	        
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