Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

34 I. Pathologie, Therapie und inedicinische Klinik. 
tet. — Die mittlere Dauer der Behandlung von 43 Kranken 
belief sich auf 39 Tage. — Diese Mittheilungen, die für den. 
Arzt, welcher seiner Wissenschaft von der höchsten und no 
belsten Seite aufiasst, von der höchsten Wichtigkeit sind, ge 
ben folgende Resultate: die Mehrzahl der primär syphilitischen 
Formen wurden ohne Mercur und zwar iin Allgemeinen mit 
günstigem Erfolge behandelt und sie verliefen leichter, regel 
mässiger und in kürzerer Zeit als die mit Quecksilber behan 
delten. Im Jahre 1833 war noch keiner von den ohne Queck 
silber behandelten 1 Syphilitischen mit spater entstandenen secun- 
dären Formen ins Spital zurückgekehrt, während von denen, 
welche mit Mercur behandelt worden waren, nicht Wenige mit 
secundären Alfectionen wieder kamen. Neben dem Cito und 
Jucunde scheint also die nicht mercurielle Behandlung das Tuto 
im Schilde zu führen. — In einzelnen Fällen bewies sich die 
nicht mercurielle Methode als unzulänglich; denn manche Schan 
ker und Bubonen heilten nicht eher, als bis endlich Mercur in 
Gebrauch gezogen wurde. — Da nun primäre Schanker von 
allen Formen und bei den verschiedensten Individuen ohne Queck 
silber heilten, und oftmals wiederum jeder Behandlung ohne 
Mercur hartnäckig widerstanden , wohl aber endlich dem spe- 
cifischen Mittel wichen, so ergiebt sich daraus eine verschiede 
ne Natur der primär syphilitischen Formen, und es fragt sich 
1) ob jede an den Genitalien vorkommende, bisher als primäre 
Syphilis anerkannte Krankheitsform wirklich syphilitisch sey ? 
Nimmt man nur den Schanker für syphilitisch, welcher die in 
den nosologischen Handbüchern beschriebene Gestalt hat, so 
finden sich unter 10 Schankern kaum zwei, welche alle jene 
Kennzeichen haben. Uebrigens heilt jener Normal-Schanker 
eben so oft ohne Mercur, als der, weichem jene characteristi- 
schen Eigenschaften fehlen, ohne Mercur nicht heilen. Fer 
ner: an den Genitalien durch andere, als syphilitische Ursache, 
z. B. durch vernachlässigte Reinlichkeit entstandene, also nicht 
syphilitische Geschwüre, nehmen bei etwaiger Vernachlässi 
gung oft die beschriebene characteristische Form syphilitischer 
Geschwüre ganz an, heilen jedoch leicht ohne Mercur. So 
auch jene Geschwüre, welche bei der Phimose durch die zwi 
schen Eichel und Vorhaut angesammelte Trippermaterie entste 
hen, und deren syphilitische Natur noch nicht erwiesen ist. 
Auch ist nicht anzunehmen, dass jedes Geschwür, welches nach 
einem Beischlafe an den Genitalien entsteht, Folge syphilitischer 
Ansteckung sei. Wie leicht kann bei diesem Acte eine topische 
Entzündung entstehen, welche bei der Neigung zur Suppura- 
tion, durch topische Verhältnisse begünstigt, leicht in jene cha 
racteristische Form übergeht. — Erkennt man dennoch alle, 
bisher für primäre syphilitisch gehaltene Geschwüre an den Ge 
nitalien wirklich für syphilitisch, so fragt es sich 2) ob es eine 
zweifache Art von Syphilis gebe, von denen die eine zur Hei-
	        
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