Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

390 I. Pathologische Anatomie. 
er feucht zu husten anfing, war die Vomica, die bei ihrem 
grossen Umfange sich nicht in der kurzen Zeit der 
Krankheit herangebildet haben kann, dem Bersten nahe, 
oder sie war schon geöffnet. Tulp spricht auch p. 115 unter 
andern von einem Manne, der wider Erwarten eine Febris Con 
tinua bekam und den 2 Tag nach OefFnung einer Vomica starb. 
y ,Asserens religiöse, fährt er fort, se nüllas insidiantis vomi- 
cae animadvertisse notas: ne dum tussiculam, aut ul- 
lum incessus sui incommodum. Attumen se satis evi 
denter nunc videre : inexspectatum Mud pus non heri atque 
hodie, sed diu ante fuisse collectum: constare sibi abunde, 
res et eventus humanos saepe lutere in alta nocte. Et nt fer- 
rum rubigo, ita absconditas caussas, iecte nonnunquam con 
sumer e homines, nihil sequius cogilanles 
190. Pathologisch - anatomische Untersuchung 
einer Spina bifida; vom Regimentsarzte Dr. Seeger in 
Ludwigsburg. Eine 30jährige gesunde und hübsche Frau von 
zarter Haut und sensibler Constitution, Mutter von sieben Kin 
dern, von denen jedoch nur noch zwei leben, die aber sämmt- 
lich wohlgebildet und gesund geboren wurden, einen Kna 
ben ausgenommen, der mit Hydrocephalus im geringen Grade 
zur Welt kam, von dem geheilt er im 6. Jahre an epidemi 
scher Dysenterie starb, gebar am 27. Jan. 1835 durch eine 
etwas schwierige Steissgeburt, doch ohne Kunsthiilfe, ein Mäd 
chen. Sie hatte im 6. Schwangerschaftsmonate die im Herbste 
1834 epidemisch-grassirende Ruhr im hohen Grade durchge 
macht und fürchtete schon damals Einfluss auf ihr Kind, 
das jedoch ganz ausgetragen wurde und reif zur Welt kam. 
An diesem Kinde aber zeigten sich folgende Monstrositäten: 
der Kopf war ziemlich gross und es liess sich ein Hydro 
cephalus im mittlern Grade nicht verkennen; die Fontanel 
len waren bedeutend gross , die beiden Scheitelbeine und 
die beiden Abtheilungen des Stirnbeins standen weit aus 
einander und zwischen denselben waren Dura viatcr und 
äussere - Bedeckungen in einen wurstförmigen, fluctuirenden 
Wulst vorgetrieben. Der linke Fuss war ein Klumpfuss und 
am untern Theile der Wirbelsäule sah man eine fluctuirende 
Geschwulst mit breiter Basis, die man für Spina bifula er 
kannte. Die linke untere Extremität war gelähmt, doch nicht 
abgemagert und von normaler Temperatur, die rechte dagegen 
schien gesund. Ob sich Lähmung der Urinblase und des Mast 
darms vorfinde, konnte man nicht entscheiden, doch gingen die 
Excremente beim Schreien und durch sonstiges Pressen ab. 
Eben so wenig konnte man genau ermitteln, ob in den Thei- 
len unterhalb der Geschw'ulst Empfindung vorhanden sei. Die 
Spina bifida hatte die Grösse eines in der Milte durchschnitte 
nen Hühnereies und ganz die Form eines solchen. Sie befand 
sich auf dem Rücken, in der Gegend der Lenden - und obern
	        
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