Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

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IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
selbst und sucht durch Vergleichung derselben mit denen ande 
rer Beobachter zu einigen Resultaten zu kommen. Nachdem er 
dieses Uebel in 6 Jahren nicht gesehen, kam es ihm im ver 
flossenen Winter schnell nach einander 4 Mal vor. Dass die 
Krankheit nicht aus epidemischem Einfluss, sondern vielmehr 
aus individuellen Verhältnissen entsprang, wird sich aus Nach 
stehendem ergeben: 1) ein Mädchen, von Geburt an klein, 
schlalf, gedieh sichtlich und war gerade nicht mager, sah aber 
immer bleich aus und hatte einen etwas starken Unterleib und 
häufig Diarrhöe, dabei aber ass sie mit Appetit und trank viel 
und begierig. Als das Kind 21 Wochen alt war, bekam es 
am 15. Febr. v. J. einen Erstickungsanlall, als es gerade aus 
dem Schlafe erwachte. Er dauerte etwa 2 Minuten und endigte 
mit dem characteristischen Schrei, dem Juchgeschrei. Darauf 
War das Kind so munter, wie vorher, hustete nicht und ath- 
mete nicht schwer. Nach 6 Tagen kehrte der Anfall zurück 
und von jetzt an kamen täglich mehrere. Am 25. wurde R. 
gerufen. Die Anfälle stellten sich ganz unregelmässig periodisch 
ein, namentlich aber wenn das Kind durch irgend einen Zufall 
plötzlich erschreckt wurde, oder wenn es aus dem Schlafe er 
wachte. Nach dem Anfalle ging Athmung und Schlingen normal 
vor sich. Husten fehlte ganz. Fieber hatte das Kind nicht und 
im Uebrigen befand es sich wie sonst. Die Grossmutter des 
Kindes verglich den Anfall damit, wenn ältere eigensinnige 
Kinder sich ausser Athem schreien und ihn erst nach einer 
Weile mit einem Schrei wieder bekommen. R. verordnete: 
Rec. Fol. Digit, purp. gr. % Magn. alb. gr. viij. Elaeos. 
anis. 5j- M. f. Pulv. Divid. in part. aeq. Nr. viij. D. S. 
Täglich 3 Mal ein Pulver. Am 28. waren die Anfälle bereits 
kürzer und kamen seltener. Am 1. Mai Morgens, unmittelbar 
nach dem Erstickungsanfall, traten allgemeine Convulsionen ein, 
die einige Male Vormittags aussetzten und wiederkamen. Wäh 
rend derselben und noch eine Weile nachher athmete das Kind 
Weit schwerer, als früher. Abends aber athmete es wieder 
leicht und war nur sehr matt, schlaff. R. liess Chamillenthee 
geben und die Pulver nochmals wiederholen. Die Oeffnung 
War ziemlich regelmässig, etwas dünn, von gewöhnlicher Be 
schaffenheit und der Urin ging gut. Bis zum 12. März blieben 
Erstickungsanfälle und allgemeine Convulsionen ganz aus und 
R- sah das Kind nicht wieder. Am 12. Morgens lolgten meh 
rere Erstickungsanfälle schnell aufeinander; im letzten fand es 
den Athem nicht mehr und es war todt, indem die Mutter noch 
den Schrei erwartete, mit dem es sonst zum Leben zurückge 
kehrt war. Secirt wurde es nicht. In der letzten Zeit war 
das Kind, wie der Vater angab, sehr schlaff und kraftlos ge 
wesen. Der Vater ist vollendeter Phthisiker; 2 seiner Brüder 
sind im 25. und 26. Jahre an Phthisis gestorben; er selbst ist 
jetzt 27 Jahr alt, litt schon lange an Eiterauswurf,' Nacht-
	        
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