Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

372 III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
sagen krampfhaften Zustandes konnte man keine Gefässmündun- 
gen wahrnehmen, auch war der Th eil, wenn man ihn anpas 
sen wollte, jedes Mal zu klein. Diesen krampfhaften Zustand 
und die noch bestehende Hämorrhagie sieht H. übrigens bei sonst 
günstiger Körperconstitution als die 2 wichtigsten Ursachen des 
Nichtgelingens der Heilung ein. Ist die Blutung auch noch so 
gering, sucht man mit dem in kaltes Wasser getauchten Schwam 
me die Wundfläche noch so rein zu halten und die abgehauene 
Partie noch so schnell in Verbindung zu bringen, so wird sich 
doch immer mehr oder weniger Blut zwischen beide Wundflä 
chen ergiessen, gerinnen und gleichsam als Zwischen- oder so 
gar als fremder Körper den Uebergaug der plastischen Lymphe 
von der Körperwundfläche auf die andern verhindern. Auf der 
andern Seite verhindert der krampfhafte Zustand in dem abge- 
liauenen Theile das genaue Anpassen desselben und die bele 
bende coagulable Lymphe kann nicht so frei und so zu sagen 
im Anfänge mechanisch in die offenstehenden Gefässmiindungen 
übergehen und als belebendes Princip sich diese wieder zu eigen 
machen. Trifft man aber, oder erwartet man, wie H. durch 
Zufall und Erfahrung belehrt that, den günstigen Zeitpunct, w o 
die Blutung aufgehört hat und bindende Lymphe schwitzt, so 
w'ird bei sonst guter Beschaffenheit des Körpers und gehöriger 
Pflege der Ausgang meist günstig seyn. [Heidelberger med. 
Annalen. Bd. II. Hß. I.] 
179. Heilung eines Aneurysma der Arteria sub 
clavia durefy Unterbindung derselben; von Dr. S. Ho- 
bart. Ein 38jähriger, sonst völlig gesunder Mann hatte eine 
Hühnerei grosse pulsirende Geschwulst unter der rechten Cla- 
vicula nahe am Acromialende, die bis zur Achselhöhle ging und 
die Bewegungen der Extremität bedeutend hinderte. Zugleich 
klagte Pat. über heftigen Schmerz in der Scapula. 4 Monate 
vorher hatte er, ohne dass er sich irgend körperlich angestrengt 
hätte, das Gefühl gehabt, als spränge das Herz, wie er sagte, 
aus seiner Lage an den Ort, den nun die Geschwulst einnahm. 
Bei 14tägiger örtlicher und allgemein antiphlogistischer Behand 
lung wurde die Geschwulst immer grösser und man machte da 
her am 7. Mai die Operation. Man legte den Kranken auf den 
Rücken, hob die Schulter ein wenig, bog Kopf und Hals nach 
links und zog rechte Schulter und rechten Arm nach unten. 
jXachdem hierauf ein Assistent die Bedeckungen sorgfältig über 
die Clavicula herabgezogen, machte H. einen 2 Zoll langen Ein 
schnitt vom äussern Rande des Slernocleidomastoideus bis zuin 
Acromion. Dann zog er die Bedeckungen zurück und durch- 
schnilt den Platysmamyoides und die Fascia und trennte sie 
auf einer Hohlsonde völlig. Die Vena jugularis externa zog 
er nach dem äussern Ende der Wunde hin und liess sie da 
mit einem stumpfen Hacken festhalten. ‘ Zellgewebe und Fett 
löste er sorgfältig mit dem Finger und dem Scalpellhefte, bis
	        
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