Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

I. Pathologie, Therapie und inedicinische Klinik. 345 
rung der sich bildenden Heerde einer sphacelösen Ei 
terung, baldige Eröffnung derselben, und Entfernung 
aller abgestorbenen Zellgewebpartieen.“ Demnach ge 
hören hierher erweichende warme Umschläge; die jedoch, we 
gen des zu Grunde liegenden asthenischen, putriden Characters, 
mit incitirenden, belebenden und antiseptischen Mitteln verbun 
den werden müssen. Diese Verbindung zeigte sich dein Verf., 
M’ie auclt dem Dr. Holfmann in einem ähnlichen Falle, sehr 
■wirksam. Trotzdem bildet sich die Krankheit nur selten aus, 
und die Mittel müssen bis zur Entstehung wirklicher Eiterheerde, 
und bis die Haut so verdünnt wird, dass sich Fluctuation zeigt, 
in der Regel 12—14 Tage fortgesetzt W'erden. Nach erfolgter 
Fluctuation, so nimmt man, um es nicht zum gangränösen Mit 
leiden der Haut kommen zu lassen, die künstliche Eröffnung 
Vor, was meist, da sich immer mehrere Eiterheerde bilden, an 
mehreren Stellen geschehen muss. Auch dürfen die Einschnitte, 
Weil das Zellgewebe nie ganz liquescirt, sondern zum Theil zu 
Fasern, Lappen und Flocken destrulrt ist, um diese leicht ent 
fernen zu können, nicht zu klein seyn. Mit Lanzetteneinsti 
chen von 1—2 Zoll reicht man im Durchschnitt aus; zu grosse 
sind andererseits wegen der bösartigen Natur des Uebels über 
haupt, und wegen Vermeidung eines oft erfolgenden Blutver 
lustes, unstatthaft. Nach der Eröffnung sind die Umschläge 
meist bald zu entfernen, und es bleibt nur noch der geöffnete 
Abscess selbst zu behandeln. Dass die schnelle Entleerung des 
Verdorbenen Zellgew'ebes möglichst gefördert werde, ist hierbei 
die Hauptsache, und man ist nun zu einer thätigen chirurgi 
schen Hülle ebenso verpflichtet, als bei Lösen des Brandschorfs 
der Pustula maligna. Wie saniös auch Anfangs die Abscess- 
contenta sind, so schnell pflegen doch, nach Entfernung der 
zerstörten Hauptmassen, die Heilprocesse fortzuschreiten, und 
die Indication: diese Processe durch passende Wund- 
und Verbandmittel zu unterstützen, ist stets sehr leicht 
zu erfüllen. Einspritzungen von Eichenrindendecoct in die gros 
sem und tiefem Höhlen, in die Abscessöffnungen leichte Bour 
donnets mit Balsam, arcaei c. camphora sind in der Regel 
hinreichend gewesen. Die örtliche Affection w'urde nur dadurch 
bisweilen in die Länge gezogen, dass sich noch nachträglich 
einige kleinere, doch auch stets gutartigere, Abscesse bildeten. 
— Soll indess dieser angegebene gute Hergang erfolgen, so ist 
die gleichzeitige Anwendung passender innerer Mit 
tel nothwendig; Dass auch hier vorzugsweise die incitirenden, 
analeptischen, antiseptischen Mittel erforderlich sind, leuchtet 
ein, doch gehe man bei dem Gebrauch der Nervina immer nur 
von den schwächen» aus, was hier um so nöthiger, als das 
asthenische Allgemeinleiden nur als die natürliche Reaction auf 
die Einwirkung einer äussern Krankheitspotenz erscheint und 
nicht direct, sondern erst dann, beseitigt werden kann, wenn
	        
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