Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

344 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
den Erkrankten äusserst sehen ärztliche Hülfe gesucht wird, 
doch nur höchst selten ein Todesfall vorkomint. Verf. will 
nun zwar den übrigen Mitteln um so weniger zu nahe treten, 
als er die Eichenrinde fast ausschliesslich anwandte, indess Ver 
suche mit der Aqua oxxjmuruitica und mit dem cort. chinae 
haben immer, wie nahe auch die China- der Eichenrinde übri 
gens steht, zu Gunsten der letztem entschieden. — Innere 
Mittel, welche überhaupt nur selten bei der schwarzen Blatter 
nöthig, sind es um so weniger, wenn die äussere Behandlung 
in jeder Hinsicht genügt. Am häufigsten wurde, zur Beseiti 
gung des aufgeregten Gefässsystems, die Schwefelsäure gereicht, 
und dieser, wo sich gastrische Zeichen deutlich aussprachen, 
ein Laxans, meist ein Infus, scnnae comp, vorausgeschickt. 
Indess auch diese Mittel werden, wartet man ganz bestimmte 
Indicationeu für dieselben ab, nicht oft, und noch seltner antiphlo 
gistische Mittel oder andererseits stärkere Nervina, erforderlich 
werden. — Nach völliger Sistirung des Mortificationsprocesses, 
und wenn die Eiterung bereits reichlich und der Brandschort 
lose zu werden anfängt, dann ist das bis dahin angewandte 
Decoct nicht mehr recht passend, der Kunst aber nunmehro ver 
stauet, der Natur thätig zu Hülfe zu kommen. Oft sitzt näm 
lich der Brandschorf sehr fest, wodurch die Heilung ungemein 
anfgehalten, die Erweiterung gewöhnlich profus und übelrie 
chend wird. Hier darf und muss man nun mit Pincette, Mes 
ser und Scheere häufig zu Hülfe kommen. Zum Schluss ist 
ein passendes Verbandmittel nicht zu verwerfen, und so wie 
sich hierzu Einige eines unguent. tcrebinth. Oelse des Empla- 
strum sulph. mit 07. Hgperici zur Salbe gemacht, bedienten, 
so hat er fast stets den Balsamus arcaei, mit etwas Kampfer 
vermischt, angewandt. — Bei der brandigen Zellgeweb 
en tzündung würde nun zwar ein positives Heilverfahren sehr 
erforderlich seyn, indess gerade hier sind bewährte therapeuti 
sche Vorschriften nicht zu geben, weil diese Form der Milz 
brandvergiftung überhaupt noch zu wenig gewürdigt, einer ge 
sonderten Betrachtung noch kaum unterworfen worden ist. 
Wiewohl nun auch Verf. seine Erfahrungen nicht für hinrei 
chend hält, um eine besondere Norm aufzustellen, so theilt er 
doch das mit, was sich vorläufig aus derselben zu ergeben 
scheint. Eine reine antiphlogistische Behandlung, wie er sie 
früher einigemale einschlug, leistete ihm keine Dienste, im 
Gegentheil beobachtete er danach eine schnelle Zunahme und 
Verschlimmerung sämmtlicher Symptome. Eben so wenig kön 
nen hier die gegen die schwarze Blatter empfohlenen Mittel 
nützen. Da das Uebel unter der Haut seinen Sitz hat, so ist, 
ohne Ab- und Ausstossung der mortificirten Theile, keine Her 
stellung möglich, und folglich der Krankhcitsheerd alsbald zu 
gänglich zu machen, um die zerstörten Partieen zur Ausstos 
sung zu bringen. Die erste Indication ist daher: „Maturi-
	        
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