Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 29 
mit geringem Erfolge; erstere zeigte sich in einigen ihm be 
kannt gewordenen Fällen sehr schädlich. Eine ruhige unbefan 
gene Beobachtung am Krankenbette überzeugt uns, dass ein ausge- 
bildeter Gichtanfall nicht in der Gewalt des Arztes liegt. Der 
Anfall endet nur durch Ablagerung der erdigen Theile oder 
kritische Entleerung derselben. Alles, was vernünftiger Weise 
geschehen kann, bezieht sielt auf die Bekämpfung der hervor 
tretenden Diathese r auf die Entfernung von Complicationen und 
auf die sorgfältige Verhütung aller gefährlichen Richtungen. 
Wie nützlich sich auch, bei der bestimmtesten Indication, die 
Diaphoretica, Derivantia, Touica etc. in einzelnen Fällen er 
wiesen, so treten dagegen oft andere auf, wo trotz der zw r eck- 
inässigsten Pflege und dem besten Verhalten nicht eher ein Nach 
lass erfolgt, als bis die getrennten erdigen Theile aus der Er 
nährung geschieden und dann abgelagert, oder durch Krisen 
aus dein Körper entfeint wurden. Der Arzt heilt die Gicht 
selbst nicht; diese hört auf, nachdem das Product der Dyskra- 
sie ansgeschieden ist; was er zu leisten vermag, besteht darin, 
dass er neue Gichtausbrüche verhütet. Was die Normalität der 
Mischungsverhältnisse erhält, die innige Bindung der Bestand- 
theile schützt und fördert, wird die Gicht verhüten können. 
Die Befolgung einer zweckmässigen Diät versteht sich von 
selbst; das oberste und wirksamste Mittel, die Ausbildung der 
Gicht zu verhüten, besteht aber in einer anhaltenden, der 
Constitution und den organischen Verhältnissen angepassten, 
kräftigen Körperbewegung und regelmässigen anhaltenden Thä- 
tigkeit. Man nennt die Gicht eine Krankheit der Städter, und 
allerdings befällt sie den thätigen Landmann nicht, verschont 
aber den faulen Gutsherrn oder Pächter eben so wenig als den 
Stadtbewohner. Segerstedt erklärt in seiner Abhandlung: 
<le nutrimento corporis supcrßuo, ut vcra arlhritidis causa. — 
die sybaritische Lebensweise mit Recht für die gewöhnlichste 
Ursache der Gicht. So lange der Körper in angestrengter Thä- 
tigkeit erhalten wird, blicht in der Regel die Gicht nicht aus, 
so findet sie sich bei den Soldaten während der beschwerlichen 
Feldzüge nicht, wogegen sie sich in der Ruhe häufig bei ih 
nen einstellt. Eben so verhält sich dies in andern Tagen des 
Lebens. Hat z. B. der rüstige Landmann ein Bein gebrochen, 
wesshalb er an ein mehrwöchentliches Krankenlager gefesselt 
wird, so kommt es oft vor, dass sich die Gicht dem Bein 
brüche anreiht. Dasselbe beobachtete Verl, häufig sogar im 
kindlichen, zu der Gicht so wenig geneigten Alter, wo eben 
falls nach einem längern Krankenlager Gicht entstand. Wenn 
Barthez die Behauptung aufstellte, dass auch heftige kör 
perliche Bewegung, welche nach langer Ruhe eintritt, als Ur 
sache der Gicht angesehen werden müsse, so versichert dage 
gen Verf., dass ihm nie ein solcher Fall bekannt worden sei, 
sollte er indess Vorkommen, so lasse er sich nur so erklären,
	        
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