Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 335 
Verf. mit der Hand im Wasser plätscherte. Beim Vorhalten 
einer Schiissel mit Wasser brach unter starkem Hautschauer der 
Krampf aus und als man feines Papier in der Hand zerknitterte 
und damit raschelte, schrie der Kranke in vielen Absätzen: 
mich friert, ja er wurde fast toll, als ihn v. B. etwas ins Ge 
sicht pustete. Jetzt durfte der Verf. die Frage an die Umge 
bungen: ob Pat. wissentlich von einem Hunde gebissen wor 
den sei, nicht länger zurückhalten, doch wurde sie verneint 
und so versuchte denn v. B., da die Medicamente erst aus der 
Stadt geholt werden mussten, unterdessen psychisch auf den 
Kranken einzuwirken, sprach von seinem erst vor Kurzem ver 
storbenen Vater etc., was auch wirklich den besten Erfolg zu 
haben schien. Pat. fing an zu schluchzen, ja zu weinen, eine 
Masse heller, zäher Speichel und Schleiin floss ihn aus Mund 
und Nase und Athem und Sprache wurden freier, doch leider 
wurde diese Krisis, w elche die Thränen- und Speicheldrüsen zu 
übernehmen schienen, gewaltsam unterbrochen, indem Jemand 
zu schnell und unerwartet ein Licht dicht vor die Augen des 
Kranken brachte, wobei die Krämpfe, die schon länger ausge 
setzt hatten, wieder sehr heftig zurückkehrten. Unterdessen 
waren zwei Dosen Pulv. Doveri von 10 Gran angekommen, 
Pat. liess sich aber nicht zum Einnehmen und Schlucken bewe 
gen, ja sogar der Vorschlag, sich selbige im Klystier be'brin- 
gen zu lassen, machte ihn wieder sehr unruhig und leidend, 
so dass sich der Verf. am Ende damit begnügen musste, zur 
Ableitung des auf Hals- und Brustnerven gefallenen, vermuth- 
lich rheumatischen Krankheitsreizes 2 Senfteige auf Brust und 
Nacken zu legen. Weiche Fülle des Pulses und schon feuchte 
Turgescenz der Haut Hessen baldige Schw eisskrisis hoffen, es 
sollen daher alle Störungen durch Aufregung vermieden, Pat. 
sich ruhig selbst überlassen und alles Licht aus dem Zimmer 
entfernt werden. Gegen Mitternacht wurde bei vermehrter Haut 
ausdünstung die Respiration frei und am folgenden Morgen fand 
V. B. den Kranken nur noch im mässigem Fieber, über Zerschla 
genheit in allen Gliedern, rheumatische Behinderung der Nacken- 
inuskeln und schmerzhafte Empfindungen in der Brust sich be 
schwerend. In wenigen Tagen war die Gesundheit wieder her 
gestellt, w ozu vielleicht ein Inj. rad. Valer. mit Campli. u. Liiqu. 
-dvimon. acet. etw as beigetragen hat.— Durch Vorherrschen ver 
schiedener Temperamente, hypochondrische und hysterische Ver 
stimmung des Nervensystems u. chronische Seelenaffecte bekommen 
äussere Schädlichkeiten nicht selten bestimmte Richtung nach ver 
schiedenen Nervenapparaten. So dürfte auch hier bei pathogeneti 
scher Würdigung dieses Falles nicht zu übersehen seyn, dass Pat. 
durch den Tod seines Vaters, der zuviel für ihn geopfert hatte, 
z _ur Unzufriedenheit mit sich selbst gestimmt war, die um so 
Oefern Eindruck auf ihn machte, als er noch obenein einsah, 
dass das Leben von nun an ernster genommen seyn wolle und
	        
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