Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

28 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
abgelagert wurde, und in diesem Producte die Krankheit unter 
ging. Beim Wiedefausbruche der Gicht fand derselbe Hergang statt. 
Wo keine Ablagerung erfolgt, da nimmt man in allen Absonde 
rungen erdige Bestandteile wahr, so in dem Harn, Speichel, 
Schweisse etc. Bei einer rückgängigen, durch Gicht bedingten, Ste- 
nocardie schwitzte Pat. bedeutend, und alle Umstehenden bemerk 
ten sehr deutlich einen kalkartigen Geruch. — Mehrere progno 
stische Momente bestätigen ebenfalls das der Gicht zu Grunde 
liegende Wesen; denn abgesehen von den Ablagerungen und 
kritischen Aussonderungen, bedarf es nur einer Erwägung der 
endlichen Ausgänge dieser Kachexie. Zuvörderst stossen wir 
auf die grosse Schwierigkeit, die Gicht gründlich zu heilen, 
ferner auf die stete Neigung zu Kecidiven. Gelingt aber auch 
die Heilung, besonders durch eine stellvertretende Thätigkeit 
oder durch einen Metaschematismus, wobei hauptsächlich Hä- 
morrhoidalcongestionen und Blenorrhöen zu bemerken sind, so 
tritt die Krankheit im hohen Alter, wo die Vereidung ohnehin 
überwiegend erfolgt, gewiss wieder auf. Verf. hat nie einen 
altgewordenen Gichtkranken gekannt, dessen endlicher Tod nicht 
in einigem Causalnexus mit seiner frühem Krankheit gestanden 
hätte. — Eine regelmässige Gicht gilt für ein Patent zum Alt- 
werden, weil bei dem Streben nach den Gelenken von den 
innern edeln Theilen alle Gefahr abgewendet wird, wesshalb 
es sogar an Lobgedichten auf die Gicht nicht fehlt. So haben 
Erasmus und Cardanus dergleichen, und 1742 ein Herr v. Guen 
de ville, unter dem Titel: Le Goutteux en belle hwneur ein 
Buch, geschrieben. Auch die Erfahrung bestätigt das Altwer 
den der Gichtkrauken; es giebt unter den Greisen viele alte 
Podagristen. Oft erleiden sie lange keine Anfälle, kommen 
sie jedoch an die Lebensgrenze, wo dänn ein Uebergewicht 
der erdigen Theiie eintritt, so meldet sich auch die Gicht wie 
der, und da sie sich dann selten regelmässig ausbildet, so 
stellen sich in Kurzem Metastasen ein, wie die Brustbräune, 
Hydrothorax, asthmatische Leiden, Phthisis pituitosa mit 
caiculösen Concrementen, w elche, zw ar langsam, aber sicher 
den Tod herbeiführen. Die Therapie bestätigt die über die 
Gicht aufgestellte Ansicht noch mehr. Dass es ein Specificum 
gegen die Gicht gebe, davon sind die Teutschen längst zurück 
gekommen, und Durin ge ist, obschon er den teutschen Aerz- 
ten wenig Neues sagt, wenigstens seinen Landsleuten, und be 
sonders dadurch nützlich geworden, dass er bei der Cur der 
Gicht auf die sorgfältigste Berücksichtigung der Causalmomente 
dringt, und alle specifische Mittel, an w elchen Frankreich über 
haupt sehr reich ist, verwirft. Auch bei uns hatten sich meh 
rere dieser französischen Mittel eingeschlichen, die indess bald 
wieder der Vergessenheit übergeben wurden. Verf. wandte 
selbst mehrmals die Methode von Cadet de Vaux, das 
CataplasmavonPradier uud dasEau de Husson an, doch
	        
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