Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

330 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
reden, hielt sich fiir behext, schalt, bat, weinte, und geber 
dete sich dabei wie eine Wahnsinnige, bald sich im Bette um 
herwerfend, bald wie eine Wiithende aufspringend, so dass sie 
nur noch mit der grössten Mühe im Bette gehalten werden 
konnte. Und in diesem Zustande fand ich Pat. auch noch spät 
Abends 9 Uhr, wo sie gleich beim Eintritt ins Zimmer mich 
mit heftigen Vorwürfen überhäufte, und schalt, dass ich sie 
verlassen habe, dass ich ihr nicht helfen wolle, dass sie doch 
niemanden etwas zu leid gethan, nichts schreckliches verbro 
chen habe etc. Sie sprach mit sichtbarer Anstrengung und be 
schuldigte nun auch die Luft in der Stube, dass diese ihr die 
Stickung vermehre. Eine genaue Untersuchung des Pulses und 
Herzens war bei dem fast steten Rasen und Umherwerfen un 
möglich, auch wurden alle weitern Versuche, sie zum Schlu 
cken zu bewegen, eingestellt, obschon sie bei allem Toben zu 
gleich über den qualvollsten Durst klagte. 
Die Verordnung für die Nacht bestand in der Darreichung 
von Pillen aus Opium und Ipecacuanha aa grj. p. d. und eines 
Saftes von Moschus c. Mucil. G. arab. und Sijr. sllth. 
31. Aug.; dritter Tag der Behandlung. 
Die Kranke hatte in der NachtVeine Pille, ja selbst einen 
Löffel voll von dem Safte verschluckt, war aber keinen Au 
genblick ruhiger geworden, sondern hatte die ganze Nacht hin 
durch wie eine Maniaca gerast, ohne sich jedoch an irgend 
Jemanden thätlich zu vergreifen. Ich fand sie früh ausser dem 
Bette auf dem Sopha sitzend, und ohne Unterbrechung allerlei 
tolles Zeug sprechend. Ihr Gesicht drückte die unbeschreiblichste 
Angst aus, und nährte sich schon dem Hippocratischen; die Au 
gen lagen tief in ihren Höhlen, die Winkel derselben trieften 
von einem gelben Schleime, die Pupillen waren bis auf ihr 
Maximum erweitert, so dass die Iris nur noch wie ein dünner 
Ring sichtbar war. Die Sehkraft schien nicht gestört, auch 
kannte Pat. die um sie Herumstehenden ganz gut. Die Hände 
waren eiskalt und feucht, und hatten ein bläuliches Ansehen; 
einen eben solchen Teint zeigten auch das Gesicht, besonders 
die Lippen, und die Zungenränder; die Zunge selbst war, mit 
Ausnahme der letztem, mit einem dicken, braunen Schleime 
belegt. Pat. geiferte viel zähen Schleim aus, würgte fast fort- 
während, und erbrach in meiner Gegenwart einen Esslöffel voll 
grüngelblicher Galle aus. Der Athem war, anhaltend beengt 
und stürmisch, der Pul9 an der linken Hand nicht mehr zu 
*) Die Anwendung der Belladonna unterblieb, weil ich der Ansicht eine» 
hinzugerufenen Collegen, dieses Mittel zu 4 Gran p. d. zn geben, mit 
gntem Gewissen nicht beitreten zn können glaubte, dieser aber sich 
zur Darreichnng derselben in kleinern Gaben nicht verstehen wollte.
	        
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