Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 27 
der Gicht hinreichend erklärt werden können. Das Losreissen 
der irdenen Theile aus der Ernährung und das Stieben ihres 
Absatzes in andre Gebilde ist das pathognoinische Symptom 
dieser Kachexie. Durch die mannichfachen Abstufungen dieser 
Vererdung werden die verschiedenen Gichtformen gebildet. 
Da3 Absetzen der erdigen Theile in den Gelenken lässt sich 
dadurch erklären, dass diese hierselbst lockerer enthalten sind, 
als in den übiigen Knochengebilden. Das anfängliche Auftre 
ten der Gicht mit inflammatorischer Diathese hat sie mit vielen 
andern Kachexieen gemein. Diese wird dadurch begreiflich, 
dass die Reactiou des irritabeln Lebens bei der ersten Bildung 
einer Ernährungskrankheit leicht rege wird, später aber auf 
hört. Der Zustand der Lebensthätigkeit begründet die Einthei- 
lung in die Arthritis jiorida s. fortiorum und in die atonica 
s. debiliorum. Wo der Niederschlag in dem ursprünglichen 
Krankheitssitze erfolgt, entsteht die organica, wo dieser aber 
nicht Statt hat, und mehrere Theile von dem Streben solcher 
Bildung bedroht werden, die A. vaga. Die nervosa entsteht, 
wenn gleichzeitig die Abdominalgefiechte afficirt sind. Wo die 
Gichtbildung auf innere edlere Organe übertragen ist, erscheint 
die relrogressa, so wie wir die retenta als denjenigen Zustand 
betrachten können, bei welchem der Process oder das Ueber- 
wiegen der Vererdung bereits begonnen hat, ohne dass der 
Absatz in einem einzelnen Gelenke erfolgt ist. Obschon die 
Gelenke den eigentlichen Sitz der Gicht abgeben, so werden 
indess auch andere Theile davon befallen. Wird sie auf das 
Auge übertragen, und gelangt sie dort zum wirklichen Product, 
so entsteht die Cataracta, wobei sich die Vererdung in der Linse 
offenbart. Bildet sich die Angina pectoris aus, so finden sich 
unfehlbar Vererdungen an den Herzvalveln oder'grossem Ge- 
fässstämmen, so wie sich überhaupt in den Leichen gichtbrü 
chiger Personen in verschiedenen Höhlen einzelner Eingeweide 
calculöse Concremente und Verknöcherungen häufig vorfinden. 
Es waltet zwischen der Gicht und Steinerzeugung eine beson 
dere Analogie, ein vicarirendes Verhältnis ob. Weit gedie 
hene Metamorphosen werden bald rückgängig, wenn eine Stein 
bildung eintritt. Verf. führt zum Beweise das merkwürdige 
Beispiel v. Wedekind’s an, welcher an einer weitgediehe 
nen Angina pectoris litt, und bei dem, als sich Nierensteine 
bildeten, in wenigen Wochen alle Zufälle der Stenocardie ver 
schwanden, worauf er noch mehrere Jahre lebte. Nirgends 
ist die Neigung zur Erdbildung so deutlich und überzeugend, 
als in den arthritischen Geschwüren. Schon Sanctorius be 
richtet hierüber. Auffallende Belege lieferten dem Verf. 2 hoch 
betagte Gichtkranke. Bei beiden quoll aus den aufgetriebenen 
geschwürigen Handgelenken eine, dem aufgelösten Kalke ähn 
liche, milchweisse Flüssigkeit sehr reichlich heraus, bis sie sich 
endlich verdickte, als kolleusaure und phosphorsauve Kalkmasse
	        
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