Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

24 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
rysma deutlich an sich trug. Mit der allmähiigen Zunahme 
derselben wurde auch die ganze linke Hälfte der Brust etwas 
höher, als die rechte; es stellte sich jetzt fast nach jedem Ge 
nuss von Speisen Erbrechen ein; ein heftig brennender Schmerz, 
der sich von der Geschwulst aus nach der Schaamgegend her 
überzog, und den der Kranke als zwischen den Bauchbedeckun 
gen vorhanden bezeichnete, befiel ihn 3 Wochen vor dem Tode; 
die Kräfte sanken immer mehr, und der Kranke starb sehr 
ruhigy gleichsam in dem höchsten Grade der Erschöpfung. — 
Die wenigen Arzneimittel, die der Kranke von der Zeit an, wo 
sich die Krankheit deutlicher manifestirte, und er über ihre 
Natur in Gewissheit war, in Anwendung zog, beschränkten sich 
auf den Gebrauch der Digitalis purpurea, in allmählig steigen 
der Gabe, und in der letzten Zeit, wenn die Schmerzen einen 
zu hohen Grad erreichten, auf kleine Gaben Opium. Mitunter 
wurde ein saliuisches Abführmittel, und w enn die Digital, nar- 
cotische Wirkungen äusserte, eine Auflösung des Nitrum iuter- 
ponirt. Damit wurden von Zeit zu Zeit kleine Aderlässe, und, 
als äusserliches Mittel, Eisumschläge auf die Geschwulst ver 
bunden, w elchen letzteren der Kranke immer die schnellste und 
gröste Beruhigung verdankte. Die Diät, welche der Kranke 
beobachtete, gränzte an Hungercur, und in den letzten Wochen 
vor dem Tode lebte er von nichts, als etwas Braunbier mit 
Wasser verdünnt, was er einzig und allein unter allen Geträn 
ken ohne Erbrechen vertrug. — Die' 36 Stunden nach dem 
Tode angestellte Section ergab Folgendes: I* Bauchhöhle. 
1) Zwischen den Bauchmuskeln und dem Bauchfelle auf der 
linken Seite, von der hintern Wand der Bauchhöhle bis an die 
weisse Linie und um den vordem Umfang der Harnblase her 
um, fand sich eine fingerdicke Schicht coagulirtes, sehr dunk 
les Blut, welches das Zellgewebe zwischen den genannten Thai 
len durchdrungen hatte, und wodurch es gleichsam geschlossen 
gehalten wurde. 2) Links an der hintern Wand der Bauch 
höhle, hinter dem Zwerchfell und der Niere hervorkommend, 
war eine, sich bis zum untern Ende der letztem ausbreitende 
Geschwulst, welche, wie nun schon zu sehen war, mit der 
Brusthöhle correspondirte. 3) Alle Organe der Brusthöhle wa 
ren blutleer, übrigens normal. — II. Bauchhöhle. 1) Der 
Herzbeutel etwas ausgedehnt und ungefähr eine Unze einer 
gelblich - lymphatischen Feuchtigkeit enthaltend. 2) Das, Herz 
welk und von blasser Farbe. 3) Die liuke Lunge mit der 
Brustwand, vorzüglich aber mit der schon in der Bauchhöhle 
bemerkten, und sich in der Brusthöhle bedeutend ausdehnen 
den Geschwulst verwachsen. 4) Hinter der linken Lunge eine nun 
zu erkennende, von der absteigenden Brustaorta ausgehende 
Pulsadergesch wulst, welche sioh von der Gegend des 
6. Brustwirbels schief herüber zur 8. Hippe hinter dem Zwerch 
fell weg big hinter die Niere herab ausbreitete. Sie hatte von
	        
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