Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

278 III. Materia medica und Toxikologie. 
folgenden Tag, gleich wie am 27., nur 4 Pulver. Den 30. 
erhielt er, nachdem 18 von den Pulvern Verbraucht, 2 ver 
schüttet worden waren, und sich bereits Mundafi’ection einzu* 
stellen schien, den Sublimat (gr. ij, ad pil. L. nach Meu- 
rer’s Vorschrift), wovon 2 Stück nach der Mittagssuppe ge 
nommen, und täglich um 1 Pille gestiegen werden sollte. 
Schon am 1. Mai ward die Salivation bedeutend, Pat. klagte 
über heftige Schmerzen im Munde, spuekte täglich nahe an 
I Pfund, Zahnfleisch und Zungenränder waren am 2. geschwü- 
rig, so wie der harte Gaumen, besonders nach Vorn, mit vie 
len weissen Blasen besetzt. Pat. liess, der Schmerzen halber, 
die Suppe ohne Semmel bereiten. Er vermochte nur mit An 
strengung zu sprechen, und versicherte, die Nächte durchaus 
schlaflos zuzubringen. Fieberbew'egtingen traten mehrmal des 
Tags, besonders aber allerdings des Abends, ein. Da sich der 
Ptyalismus täglich verstärkte, liess ich von dem 4. Mai an auch 
mit dem Sublimat nicht weiter steigen, im Gegentheil auf 2 
Pillen zurückgehen, und mit dieser geringen Gabe fortfahren. 
In den Mund, rieth ich, öfters frisches "Wasser zu nehmen, 
einige laue Bäder zu brauchen, setzte dem Decocte 1 Drachme 
Senna zu, und verschrieb am 7. ein Infumim Salviae als Mund 
wasser. Ungeachtet dieser Mittel und trotzdem, dass Pat. 3— 
II flüssige Stühle hatte, besserten sich die Mundgesclnvüre 
doch nur erst am 11. und der sich noch langsamer vermindernde 
Speichelfluss ward sogar am 15., nach einer Erkältung, wie 
derum stärker. Wiewohl sich nämlich der Kranke, vorzüglich 
weil der Wonnemonat so ausserordentlich unfreundlich war, zu 
Hause halten sollte, so übertrat er diese Vorschrift doch sehr 
häufig und glaubte, ihre Nichtbefolgung ersetze sghon eine vor 
sichtige Kleidung. Das Geschwür selbst, welches insofern 
einen ungünstigen Sitz hatte, als es gerade da sass, wo sich 
das Präputium nach Innen umschlägt, besserte sich täglich. 
Nachdem ich die Härte etwas verloren hatte, trat der tiefe 
Grund des Geschwürs in die Höhe, und dieses ebnete sich hier 
durch, erschien aber nun auch um das Dreifache grösser. Von 
dem 5. Ma i an schimmerte die Granulation deutlich durch, die 
Eiterung bl ieb gleichw ohl, sowie sie von dem 29. April ab ge 
worden war , noch ungemein stark; das Eiter selbst w ar von der 
besten Beschaffenheit. Von dem 11. Mai veränderte sich das 
Geschwür gar nicht mehr, und dieses atonische Stehenbleiben 
bestimmte mich, den 15. eine Zinksolution (Anfangs auf 2 Un- 
' zen Wasser 4, später 6 Gran Essigs. Zink) äusserlich anzu 
wenden, worauf auch die Fortschritte täglich wieder merklich 
wurden. Seit der eingetretenen Granulation erlaubte ich des 
Mittags V Portion Tauben-, Bind- oder Kalbfleisch. Von dem 
18. Mai begann an 2 Seiten des Geschwürs die Hautbildung. 
Der Speichel ward jetzt dick, das Spucken viel geringer, doch 
noch keineswegs beseitigt. Am 19. fing die granulirende Fläche
	        
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