Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

22 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
Tode in Folge des Brandes 2 Höhlen an der rechten Seite des 
Halses unter der Geschwulst freiwillig entstanden, die sich mit 
der innern Höhlung nach der Brusthöhle vereinigten. Die rechte 
Lunge war sehr zusammengefallen, mürbe, dunkelgefärbt. Das 
grünlichte Exsudat betrug 3 Schoppen, roch stark alcalescirend 
und war mit vielen Eiterflocken, auch grossem coagulirten Stü 
cken desselben, vermengt, was durch den Eitererguss der Pa 
rotitis in die Brusthöhle sich entleert hatte. Die linke Lunge 
war mit Rippenfell und Herzbeutel theilweise verwachsen und 
fühlte sich besonders nach rückw ärts knotig an. Die Oberfläche 
derselben war stark entzündet. Als man diesen Lungenflügel 
durchschnitt, sah man viele Tuberkeln von der Grösse einer 
Erbse bis kleinen Bohne mit Eiter gefüllt. Die ganze Lungen- 
Substanz w 7 ar dunkler, knisterte beim Durchschneiden und ent 
hielt viel schwarzes Blut. Das Exsudat in dieser Höhle be 
trug halb so viel, als das vorige, war lymphartiger und mit 
kleinen Eiterflocken vermengt. Der Herzbeutel war grösser, als 
gewöhnlich, sehr voll, von aussen, namentlich gegen die gros 
sen Gefässe zu geröthet und mit der Lunge etwas leicht nach 
oben verwachsen. Bei Berührung desselben nahm man deutlich 
Fluctuation wahr und bei Durchschneidung fing mau mehr, als 
einen Schoppen lymphatisch - seröse Flüssigkeit mit einem Glase 
auf. Die ganze Herzoberfläche war mit mehr als 6 Linien 
dicken, moosähnlichen Geflecht überzogen, das gelb-braun aus 
sah und nur mühsam von der Herzwandung zu trennen war: 
ein eigenthümliches Cor villosum. Die rechte Herzkammer 
war aneurysmatisch, grösser, als die linke und enthielt noch 
etwas coagulirtes Blut, die Wandungen waren verdünnt, übri 
gens in der Substanz selbst nichts Krankhaftes zu sehen. Die 
linke Herzkammer war leer, die Trabeculae cordis gespannt, 
angeschwollen; im arteriösen Ausgang fand sich ein 2 Zoll lan 
ger und mehre Linien dicker Blutpfropf, der zur Hälfte in die 
Herzkammer ragte, und locker mit der Wandung zusammenhing. 
Blut enhielt diese Kammer nicht. An den mützenförmigen 
Klappen sah man einige Afterproducte von der Grösse kleiner 
Linsen. Die Unterleibsorgane waren gesund und äussere Brand 
spuren der Därme nicht zu finden. Im rechten Ovarien be 
merkte man mehrere Hydatiden. — Nach dem Mitgetheilten 
lässt es sich wohl kaum bezweifeln, dass Pat. an Cardilis se- 
rosa mit Exsudation und Pleuropneumonie gestorben sei. Wahr 
scheinlich hatten sich schon in früher Jugend, besonders aber 
zur Zeit der Entwickelung, bei reizbarem Gefässsystem der 
Kranken leichtere Anfälle von Carditis gebildet, die durch öfte 
res Aderlässen und passende Diät beschwichtigt wurden. Diese 
Krankheitsanlage wurde in der letztem Zeit des Lebens, viel 
leicht auch durch die Schwangerschaft, wieder aufgeregt und 
es scheint hier sehr wahrscheinlich, dass die brandige Zerstö 
rung in Folge der Parotitis allmülilig die serösen Häute der
	        
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