Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

2G8 II, Pathologie, Therapie und niedicinische Klinik. 
geführt hat. Ain 2. oder 3. Tage nämlich wird die Zunge, 
und wäre sie noch so trocken, rauh und braun, wieder feuch 
ter, indem sich ein lockerer, aus schleimigen Flocken bestehen 
der Ueberzug bildet, die Zunge selbst wird dicker, unbeweg 
licher und die Zähne bilden zu beiden Seiten derselben Ein 
drücke, die den bei Mercurialsalivation beobachteten gleichen. 
Eben so setzen sich im Rachen grosse Schleimflocken an und 
es entsteht häufiges Räuspern, zuweilen Heiserkeit. Auf der 
Zunge selbst, besonders an der Spitze derselben, bilden sich 
dann runde, weissspeckige Geschwürchen von der Grosse einer 
Linse bis zu der eines Groschens, die schmerzhaft sind, sich 
aber bald nach Aussetzen der Arznei wieder verlieren. Bei 
Einigen wird durch die Anschwellung der Zunge, oder des 
Rachens die Sprache so schwer, dass sie nur noch lallen kön 
nen und sich sehr darüber beklagen. Diese Zufälle dürfet! aber 
nicht beunruhigen, da R. nie nachtheilige Folgen und immer 
nur grosse Brusterleichterung dabei wahrnahm. Er möchte die 
sen Zustand Antimonialsalivation nennen, da ihn wohl 
auch die andern Antimonialien in grossen Gaben hervorrufen 
können. Nach und nach, besonders wenn man einige Tage 
mit dem Tart. emet. aussetzt, verliert sich dieser Secretions- 
zustand wieder aus der Mundhöhle und die Zunge wird völlig 
rein, hellroth und ist wie mit neuer zarter Epidermis überzogen 
und dabei ganz trocken w’ozu sich dann mehr oder minder hef 
tiger Durst findet. — Bei Anwendung des Tart. emet. wird 
der trockenste Husten feucht und ohne dass man bei der streng 
sten Aufmerksamkeit kritische Tage wahrnimmt, geht der Schleim- 
ausw'urf seinen Weg mit der Zertheilung der Entzündung. Erst 
ain 4. bis 8. Tage darf man, je nach dem Grade der Krank 
heit , versuchen, das Mittel auszusetzen, um dann ohne sein 
Zuthun den Gang, der Entzündung abzuwarten. Als Nachkur 
giebt R. meist den Tart. emet. in kleinen Gaben mit Gumini- 
schleim, mitunter auch mit ^4q. Laurocerasi. Nie giebt er im 
Anfänge der Krankheit Narcotica. Was auch Einige für Opium 
und Blausäure sagen mögen, überall, wo er Versuche mit ihnen 
gemacht, nahm er Nachtheile wahr und er behauptet sogar, 
dass diese Mittel die Hepatisation einleiten und befördern, statt 
sie zu verhindern. — Im weitern Verlaufe seiner Abhandlung 
wendet sich der Verf. zu einigen vermeintlichen Contraindica- 
tionen, die Manchem bei Benutzung dieses heftigen Mittels nach 
alten Vorurtheilen noch im Wege stehen dürften und beruft sich 
auch hier nur auf die Erfahrung. Er hat den Tart. emet. bei 
7 Schwängern'in grosser Gabe gegen Lungenentzündung ange 
wendet, also in einem Zustande, der gern als Gegenanzeige 
der Brechmittel angesehen wird, und nach dem, was er hei 
diesen Fällen beobachtet, darf er wohl schliessen, dass die 
Schwangerschaft keine Gegenanzeige für den Tart. emet. ab 
gebe, dass für Abgang der Frucht wenig zu befürchten und
	        
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