Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

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II. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. .267 
rend Anwendung des Tart. einet, die Entzündung nicht gebro 
chen wird, oder sich noch steigert, denn nur durch wechselsei 
tige Unterstützung sind beide Mittel so specifisch wirksam und 
die, welche meinen, dass man durch Tart. emct. der Venä- 
sectionen ganz entbehren könne, müssen nicht so heftige Ent 
zündungen, wie der Verf., beobachtet haben. Seine Ansichten 
über die in Pneumonieen besonders coustante Speckhaut des 
gelassenen Blutes wird er später besonders mittheilen. Was 
die Anzeige zum Aderlässe anlangt, so muss man sich hüten, 
den Puls als vorzüglichen, oder gar alleinigen Führer zu wäh 
len. Der gewöhnlichen Annahme nach zeigt ein voller, fre 
quenter Puls besonders den Aderlass an und blos in Unterleibs- 
entziindungen hat man auf unterdrückten, kleinen Puls als 
Zeichen heftiger Entzündung aufmerksam gemacht. Hier sieht 
»tan es gern, wenn der Arterienschlag sich hebt, dort, wenn 
er sich an Expansion vermindert. Aber bei Pneumonieen ist 
er meist nur die ersten Tage voll, hart; bei Zunahme der 
Krankheit, besonders auch bei schon vorhandenen organischen 
Störungen, bei beginnender oder vorhandener Hepatisation ver 
liert er Fülle und Härte, wird klein, schwach und schlüpft 
unter dem Finger durch. Daher wohl die häufige Warnung 
später bei Pneumonieen nicht mehr zur Ader zu lassen, eine 
Warnung, die schon Manchem das Leben gekostet haben mag. 
R. liebt gewiss nicht die übermässigen Blutentzieluingen, womit 
oft jede einzelne Fieberexacerbation bekämpft werden soll; aber 
sind denn die Fälle so selten, wo Entziindungskranke am 5. 
bis 10. Tage der Krankheit noch durch einen Aderlass und 
zwar blos durch diesen gerettet worden sind? Auch der Schmerz 
ist nicht die Hauptanzeige für die Blutentziehung, da man man 
che Fälle beobachtet, wo er ganz fehlt und doch alle andern 
Zeichen einer heftigen Pneumonie zugegen seyn können. Aber 
das am seltensten trügende Zeichen ist der kurze, enge Athem 
bei offenem Munde und sich bewegenden Nasenflügeln: so lange 
man dieses Symptom noch beobachtet, nimmt die Entzündung 
noch nicht ab. Der Schmerz kann heftiger werden und der 
Puls voller nach einem Aderlass, wenn nur die Lunge sich 
besser ausdehnen kann, so wird der Athem freier und zeigt die 
rückgängige Entzündung sicher an. — Mehrere Fälle bestim 
men den Verf. nicht ängstlich mit Blutentziehung und noch we- 
m'ger mit dem Heilmittel zu verfahren, wenn scheinbar grosse 
Schwäche vorhanden ist, die so häufig nur von schneller Ueber- 
füllung der Lunge herrührt und wo so häufig stärkende Mittel 
unfehlbar zum Tode führen. Vielleicht belehren den Verf. noch 
fernere Versuche, wie weit man den Aderlass unter dem Ge 
brauche des Tart. cmet. einschränken dürfe, da er jedenfalls 
gewisse Einschränkungen begünstigt. Beim fortgesetzten Ge 
brauche desselben hat er einige fast constante Zufälle wahr- 
genommen, die, so viel er weiss, noch kein Schriftsteller an-
	        
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